Sonnenblume – Warum sie der Sonne irgendwann nicht mehr folgt
von benjaminbusse, 12.08.2026

„Im August kann man sie kaum übersehen.“ Sonnenblumen ragen über Gartenbeete hinaus, leuchten an Feldrändern und locken mit ihren großen Blütenständen Bienen, Hummeln und andere Insekten an. Kaum eine Pflanze scheint den Hochsommer so sehr zu verkörpern.
Und kaum eine andere trägt ihre vermeintlich besondere Beziehung zur Sonne bereits im Namen.
Denn Sonnenblumen, so heißt es, drehen sich den ganzen Tag nach der Sonne. Morgens schauen sie nach Osten, mittags nach Süden und abends nach Westen.
Aber stimmt das wirklich?
Ja – allerdings nur in ihrer Jugend.
Solange eine Sonnenblume noch wächst und ihr Blütenstand nicht vollständig entwickelt ist, vollführt sie eine erstaunliche tägliche Bewegung. Am Morgen zeigt die junge Pflanze nach Osten und folgt im Laufe des Tages der Sonne Richtung Westen. Während der Nacht geschieht etwas Überraschendes: Sie dreht sich wieder zurück nach Osten und erwartet dort gewissermaßen den nächsten Sonnenaufgang.
Dieses Phänomen nennt man Heliotropismus. Verantwortlich dafür ist nicht die Blüte selbst, sondern ein unterschiedlich starkes Wachstum auf den beiden Seiten des jungen Stängels. Dabei spielt auch die innere biologische Uhr der Pflanze eine wichtige Rolle.
Doch gerade im August, wenn viele Sonnenblumen ihre mächtigen Blütenstände vollständig geöffnet haben, verändert sich dieses Verhalten.
Die Sonnenblume hört auf, der Sonne zu folgen.
Mit zunehmender Reife verlangsamt sich ihr Wachstum und die tägliche Bewegung endet. Die ausgewachsenen Blütenstände bleiben nun überwiegend nach Osten ausgerichtet. Das hat offenbar einen Vorteil: Die Morgensonne erwärmt die Blütenstände früher am Tag – und die wärmeren Blüten können für Bestäuber besonders attraktiv sein.
Damit beginnt im August zugleich die nächste wichtige Phase im Leben der Sonnenblume. Während Bienen und andere Insekten noch die zahlreichen kleinen Einzelblüten besuchen, entwickeln sich nach erfolgreicher Bestäubung die bekannten Sonnenblumenkerne. Aus dem leuchtenden Symbol des Hochsommers wird allmählich eine wertvolle Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere.
Vielleicht lohnt es sich deshalb gerade jetzt, einmal genauer hinzusehen. Suchen Sie sich morgens eine ausgewachsene Sonnenblume und beobachten Sie, wohin ihr Blütenstand zeigt.
Möglicherweise wartet sie bereits auf die aufgehende Sonne.
🌿 PlantaMedia-Tipp
Lassen Sie nach der Blüte einige Sonnenblumenköpfe im Garten stehen. Die heranreifenden Samen bieten später zahlreichen Vögeln eine natürliche Nahrungsquelle – und mit etwas Glück können Sie direkt vor Ihrer Haustür beobachten, wer sich daran bedient.
💡 Wussten Sie schon?
Was wir bei der Sonnenblume gewöhnlich als eine einzige große „Blüte“ wahrnehmen, besteht tatsächlich aus zahlreichen einzelnen Blüten. Außen sitzen die auffälligen gelben Zungenblüten, während sich im dunkleren Zentrum viele kleine Röhrenblüten befinden, aus denen nach der Bestäubung die Sonnenblumenkerne hervorgehen.
⏱️ Das Wichtigste in 60 Sekunden
✔ Der August ist eine der eindrucksvollsten Zeiten der Sonnenblume: Viele Pflanzen stehen jetzt in voller Blüte, während zugleich bereits die Samenbildung beginnt.
✔ Junge Sonnenblumen folgen tagsüber tatsächlich dem Lauf der Sonne und orientieren sich nachts wieder nach Osten.
✔ Ausgewachsene Sonnenblumen beenden diese tägliche Bewegung und ihre Blütenstände bleiben überwiegend nach Osten gerichtet.
✔ Die Morgensonne erwärmt die nach Osten gerichteten Blütenstände früh – ein möglicher Vorteil bei der Anlockung von Bestäubern.
✔ Ein Sonnenblumenkopf ist keine einzelne Blüte, sondern besteht aus zahlreichen kleinen Einzelblüten.