
Der Gewöhnliche Giersch (Aegopodium podagraria L.) gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und kommt in feuchten, schattigen bis halbschattigen Gebieten wie Auenwäldern und Laubmischwäldern vor. Diese Pflanze zeichnet sich durch geophytische und hemikryptophytische Lebensformen aus und ist für ihre essbaren Blätter bekannt, die häufig in Suppen und Salaten verwendet werden. Während die Wurzeln giftige Eigenschaften aufweisen, sind die Pflanzenteile allgemein wohlschmeckend und nährstoffreich. Ethnobotanisch wurde Giersch traditionell zur Behandlung von Rheuma und Gicht eingesetzt.
Apiaceae
Aegopodium
Aegopodium podagraria L.
Apium podagraria (L.) CARUEL, Carum podagraria (L.) ROTH; heterotypisch: Aegopodium angelicifolium SALISB., Aegopodium podagraria ssp. nadeshdae STEPANOV, Aegopodium simplex LAVY, Aegopodium ternatum GILIB. nom. inval., Apium biternatum STOKES, Ligusticum podagraria CRANTZ, Pimpinella angelicifolia LAM., Podagraria aegopodium MOENCH, Podagraria erratica BUBANI, Selinum podagraria E.H.L.KRAUSE, Seseli aegopodium SCOP., Sison podagraria SPRENG., Sium podagraria F.H.WIGG., Sium vulgare BERNH., Tragoselinum angelica LAM.
Giersch
Gewöhnlicher Giersch
Ackerholler (ger.), Baumtropf (ger.), Baumtropfen (ger.), Bishop's weed (engl.), Dreiblatt (ger.), Égopode podagraire (franz.), English masterwort (engl.), Erba podagraria (ital.), Erdholler (ger.), Geissfuss (ger.), Geißfuß (ger.), Gewöhnlicher Geißfuß (ger.), Giersch (ger.), Girardina (ital.), Girardina silvestre (ital.), Girsch (ger.), Goatweed (engl.), Gout wort (engl.), Goutweed (engl.), Ground elder (engl.), Herb gerard (engl.), Herbe aux goutteux (franz.), Hierba de la gota (span.), Kaninchenfutter (ger.), Kleine wilde Engelwurz (ger.), Podagrakraut (engl.), Podagraria (span.), Schettele (ger.), Snow-in-the-mountain (engl.), Snyt obyknowennaja (russ.), Wiesenholler (ger.), Wild celery weed (engl.), Wild masterwort (engl.), Wilde Angelika (ger.), Wilder Holler (ger.), Zaungiersch (ger.), Ziegenkraut (ger.), Zipperleinkraut (ger.)
H: Mitteleuropa (Alpen, Alpenvorland, südwestl. Schichtstufenland (M1), Gebirge der Mittelgebirgsschwelle (M2), Tiefland, Küstengebiete) [12], Europa [24], Asien [24], Mitteleuropa (Österreich, Schweiz, Deutschland, Belgien, Niederlande) [1], Westeuropa (Frankreich) [1], Nordeuropa (Dänemark, Finnland, Schweden) [1], Nordosteuropa (Baltikum, Weißrussland, Nordeuropäisches Russland, Nordwesteuropäisches Russland) [1], Osteuropa (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Ukraine, Krim, Mitteleuropäisches Russland, Osteuropäisches Russland) [1], Südosteuropa (Rumänien, Albanien, Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien, Nordkaukasus, Südeuropäisches Russland) [1], Südeuropa (Italien) [1], Vorderasien (Transkaukasus, Türkei) [1], Zentralasien (Altai, Kasachstan) [1], Nordasien (Krasnojarsk, West-Sibirien) [1], Ostasien (Korea) [1]
V: Europa [4][24][35], Nordwesteuropa (Färöer, Island) [1], Westeuropa (Großbritannien, Irland) [1][24], Nordeuropa (Norwegen) [1], Vorderasien [4], Türkei [24], Kaukasusraum [24], Kasachstan [24], Kirgisistan [24], Sibirien [24][35], Asien [24], Nordostasien (Primorje) [1], Ostasien (Japan) [1][24], Nordamerika (neophytisch) [24], USA [24], Kanada [24], westl. Nordamerika (British Columbia, Oregon, Washington) [1], nordöstl. Nordamerika (Neufundland, Québec) [1], östl. Nordamerika (New Brunswick, Nova Scotia, Michigan, Wisconsin, Connecticut, Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island, Maine, New York, Vermont, Delaware, North Carolina, Maryland, Pennsylvania, Washington D.C., New Jersey, Virginia, West Virginia, Illinois, Indiana, Ohio, Kentucky, Tennessee) [1], zentr. Nordamerika (Manitoba, Ontario, Saskatchewan, Minnesota, Idaho, Montana, Missouri) [1], südöstl. Nordamerika (Georgia, South Carolina) [1], Ozeanien (nördl. Neuseeland, südl. Neuseeland) [1][24], Australien [24], Tasmanien [24]
A: weiter kultiviert [24]
Gebirge (bis 1360 m) [24], Gebirge (kolline bis montane Stufe) [25], Gebirge (kolline bis montane (-subalpine) Stufe) [35], Bergregionen [25], Flachland [25], Küstengebiete [25], Auenstandorte [25], Wälder (Auenwälder) [4][12][14][25], Wälder (Laubmischwald, nährstoffreiche Laubwälder) [24][25], Wälder (licht) [12], Hecken [4], Gärten [4][14][24][25], Gebüsche [14][24][25], Uferstellen (Bach) [14], Uferstellen (Fluss) [14], Staudenfluren (Hochstauden) [12], Krautsäume [25], Wegränder [25], Ruderalflächen/Ruderalstandorte [25]
feuchter Boden [14][24][25], grundfrischer oder sickerfrischer Boden [24], frischer Boden [25], wechselfeucht (toleriert zeitweise Überflutung) [25], nährstoffreicher Boden [14][24][25], stickstoffreicher Boden [24][25], mild bis mäßig saurer Boden [24], pH-neutral um 6,5 [25], basenreicher Boden [24], lockerer Boden [24][25], tiefgründiger Boden [24][25], humoser Tonboden und Lehmboden [24][25], Vorsicht (empfindlich gegenüber längerer Trockenheit) [25], zusätzl. Edelsteine (Bernstein, Azurit, Biotit, Karneola, Labradonit, Magnesit) [14]
Sommergrün (nur in wärmeren Jahreszeiten mit Blättern) [21]
7: häufig, aber keineswegs überall (in etwa 50% der Felder) [21]
[Kraut]: Ätherisches Öl [4][14], Flavonoide [4], Phenolcarbonsäuren [4], Kaffeesäure [14], Kalium (hoher Gehalt) [4][24], Calcium [14], Magnesium [14], Phosphor [14], Silizium [14], Vitamin C (hoher Gehalt) [14][24], Nitrate [14], Karotin (hoher Gehalt) [24], Eisen (hoher Gehalt) [24]
[Bläter jung/grün]: Vitamin C (200 mg/100 g) [24], Carotin (5 mg/100 g) [24], Calcium (130 mg/100 g) [24], Magnesium (5 mg/100 g) [24], Eisen (3 mg/100 g) [24], Kupfer (2 mg/100 g) [24]
[Wurzel]: Polyine [4] (Falcarindiol) [4], Lectin/Lektine [4]
[Geschmack & Küchenaroma]:
[Warum „Wiesenholler“?]:
[Giersch als Unkraut]:
[++] Volksmed. (Kraut):
[+] Volksmed. (Kraut):
[Volksmed.]:
[Hom]:
[Lebensmittelpflanze/Nahrungsmittelpflanze]:
[Giersch-Öl - gegen trockene Stellen und Ekzeme]: Eine Handvoll frisch gesammelte Gierschblätter hacken. 150 ml Rapsöl im Wasserbad erwärmen, bis im Wasser kleine Bläschen aufsteigen. Die zerkleinerten Blätter hinzugeben, sie sollten gerade vom Öl bedeckt sein. Unter Rühren 30-40 Minuten ziehen lassen. Danach die Mischung durch ein Tuch abgießen und in ein Schraubglas geben. Bei trockener Haut und geröteten Stellen sanft einmassieren [95] (3/2022)
[Teeaufguss]: 3x tgl. 2 EL frische, zerkleinerte Blätter/250 ml Wasser (kochendes Wasser übergießen, 5 min ziehen lassen, abgießen) [14]
[Hautberuhigungssalbe mit Gierschblättern - heilungsfördernd, harmonisiert bei Hautirritationen, pflegend, entzündungshemmend]: Zutaten: 100 ml Olivenöl, 1 Handvoll junge Gierschblätter, 5 g Bienenwachs, 5 ml Ethanol aus der Apotheke (Alkohol, 70%), kleiner Glastiegel mit Schraubverschluss. Zubereitung: Für das Basis-Gierschöl das Olivenöl in einem Topf erhitzen (es darf nicht kochen oder dampfen). Die Gierschblätter zerkleinern und einrühren. Den Topf vom Herd nehmen und den Giersch über Nacht im Öl ziehen lassen, dann in eine dunkle Flasche abseihen. 50 ml Gierschöl zusammen mit 5 g Bienenwachs im Wasserbad schmelzen und verrühren. Topf vom Herd nehmen und die Salbe rühren, bis sie lauwarm ist. In die lauwarme Salbe 5 ml von dem Alkohol nach und nach einrühren. In den Tiegel abfüllen und verschlossen im Kühlschrank aufbewahren. Die Salbe ist ca. 1 Woche haltbar, wenn zur sauberen Entnahme ein Holz- oder Glasspatel verwendet wird. Anwendung: Bei Bedarf zur Beruhigung von irritierter Haut verwenden. Nicht auf offene Wunden auftragen [95] (3/2022)
[Wildkräuter-Pastinaken- Suppe mit Gänseblümchentopping]: Zutaten für 2 Personen: 2 mittelgroße Pastinaken, 1 Handvoll Wildkräuter z.B. Spitzwegerich, Giersch, Wiesenknopfblätter, Sauerampfer, Franzosenkraut, Salz, Pfeffer, 250 ml Sahne, 1 L Gemüsebrühe, ein paar Gänseblümchenblüten zur Deko, etwas Butter oder ein anderes Fett. Zubereitung: Pastinaken schälen und klein würfeln. Butter im Topf erhitzen und die Pastinakenstückchen darin anbraten. Mit der Gemüsebrühe aufgießen, circa 15 Minuten köcheln lassen und anschließend alles pürieren. Die gewaschenen, klein geschnittenen Wildkräuter und die Sahne hinzufügen und noch einmal kurz pürieren. Dann mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit sauberen Gänseblümchenblüten dekorieren [95] (2/2023)
[Belebender Wiesencocktail]: Zutaten für 2 Gläser: 250 ml Buttermilch, Saft von 2 Orangen, 1 EL Honig, 1 Handvoll Wildkräuter wie Scharbockskraut, Giersch, Löwenzahnblättchen, Vogelmiere und Pfefferminze. Zubereitung: Die Kräuter waschen und trocknen. Dann alle Zutaten pürieren und gleich servieren [95] (2/2023)
[Wildkräutersalat]: Zutaten: Wildkräuter der Saison (z.B. Giersch, Löwenzahn, Gänsefingerkraut, schmalblättriges Weidenröschen, Brennnessel),Apfelessig, Kürbiskernöl, Salz, Pfeffer, ggf. ein paar Blüten oder Blütenblätter für die Deko (z.B. Rotklee, Rosen, Ringelblumen, Schafgarbe). Zubereitung: Die Wildkräuter nicht waschen, aber gut ausschütteln und ggf. grob zerkleinern. Auf einem großen Teller "wild" anrichten. Essig und Öl verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und über den Salat träufeln. Als Alternative dazu kann man auch Oxymel mit etwas Wasser vermischt als Dressing verwenden. Den Salat mit Blüten dekorieren - das verwöhnt das Auge und die Seele zusätzlich [95] (3/2022)
[Kalte Kefir-Joghurt-Suppe mit Wildkräutern]: Zutaten für 4-6 große Portionen: 2 große Salatgurken, 1 große Handvoll, Gundermann, 1 großer Bund Giersch (die Menge entspricht 2-3 Petersiliensträußen auf dem Markt), 1 Knoblauchzehe, 500 g Kefir, 250 g griechischer Joghurt, etwas Zitronensaft, gemischte Kerne, eventuell 1 Schuss Mineralwasser; Zubereitung: Die Gurken waschen, schälen, entkernen und klein schneiden. Gundermann und Giersch waschen und fein hacken, Knoblauchzehe schälen und klein hacken. Alles mit Kefir und Joghurt in den Mixer geben und zu einer gleichmäßigen Suppe pürieren. Mit Zitronensaft, Pfeffer und Salz abschmecken und 2 Stunden kalt stellen. Die Kerne anrösten und leicht salzen. Die Suppe nochmal aufmixen (je nach Konsistenz mit etwas Mineralwasser verdünnen), abschmecken und servieren [95] (2/2024)
[Futterpflanze/Tierfutter]:
[Essbare Wildpflanze & Nahrungsmittelpflanze]:
[Zierpflanze]:
Benjamin Busse
26.05.2026