
Die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.) gehört zur Familie der Hippocastanaceae und ist ein sommergrüner Phanaerophyt, der bis zu 30 m hoch werden kann. Sie bevorzugt feuchte, frische Standorte in Auenwäldern und als Alleebaum in urbanen Grünanlagen. Ihre Blüten sind als Bienentrachtpflanze wertvoll. Neben dekorativen Nutzungsmöglichkeiten entfalten die Samen und Rinde medizinische Eigenschaften, wie die Linderung von Venenerkrankungen und Entzündungen. Vorsicht ist geboten, da unverarbeitete Teile giftig sein können, insbesondere für Kinder.
Hippocastanaceae
Aesculus
Aesculus hippocastanum L.
Pawia hippocastanum (L.) KUNTZE; heterotypisch: Aesculus asplenifolia LOUDON, Aesculus castanea GILIB., Aesculus memmingeri K.KOCH, Aesculus procera SALISB., Aesculus septenata STOKES, Hippocastanum aesculus CAV., Hippocastanum vulgare GAERTN.
Rosskastanie
Gewöhnliche Rosskastanie
Bittere Kastanie (ger.), Buckeye (engl.), Castagna amare (ital.), Castagne di cavalle (ital.), Castagno d’India (ital.), Castaño de Indias (span.), Castaño loco (span.), Châtaignier de cheval (franz.), Common horse chestnut (engl.), Conker tree (engl.), Drusenkesten (ger.), European horse chestnut (engl.), Foppkastanie (ger.), Gemeine Kastanie (ger.), Gemeine Rosskastanie (ger.), Gichtbaum (ger.), Horse chestnut (engl.), Horse-chestnut (engl.), Ippocastano (ital.), Kastanie (ger.), Kestebaum (ger.), Konskij kaschtan (russ.), Marronnier (franz.), Marronnier commun (franz.), Marronnier d’Inde (franz.), Paardecastanje (ned.), Pferdekastanie (ger.), Pferdekesten (ger.), Rosskastanie (ger.), Rosskesten (ger.), Sauerkeste (ger.), Saukastanie (ger.), Spanish chestnut (engl.), Vexierkastanie (ger.), Weiße Rosskastanie (ger.), White horse chestnut (engl.), Wilde Kastanie (ger.)
H: Südosteuropa (Balkangebiet, nördl. Griechenland, Mittelgebirge Griechenlands, Albaniens und Nordmazedoniens, Jugoslawien, östl. Bulgarien) [1][4][11][15][18][24][35], Vorderasien (Türkei) [1][4], Zentralasien (Turkmenistan, Himalajagebiet) [1][18]
V: Mitteleuropa (Alpenvorland, südwestl. Schichtstufenland (M1), Gebirge der Mittelgebirgsschwelle (M2), Tiefland) [12][15][24], durch Kultivierung weit verbreitet und eingebürgert [11][15][18], Mitteleuropa (Österreich, Schweiz, Belgien, Deutschland) [1], Osteuropa (Mitteleuropäisches Russland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien) [1], Westeuropa (Frankreich, Großbritannien, Irland) [1], Südwesteuropa (Spanien) [1], östl. Nordamerika (Illinois, Kentucky, New York, Vermont) [1], südöstl. Nordamerika (Alabama) [1], Zentralasien (Kasachstan, Usbekistan) [1], Ozeanien (südl. Neuseeland) [1]
A: weltweit kultiviert [4][11][24], auch verschiedene Hybriden in Gärten und Parks angebaut [18], angepflanzt und selten verwildert [35]
Gebirge (kolline bis montane Stufe) [25][35], Gebirge (900-1300 m) [24], Bergregionen [25], Flachland [25], Hänge/Hanglagen (feucht) [25], Parkanlagen [4][11][14][15][24], Straßenränder [4][11][14][24], Gärten [15], Wälder [14], Wälder (Schluchtwälder) [12][25], Wälder (Bergwälder) [25], Wälder (Laubmischwald) [24], Waldränder [15]
indifferent [24], aber v.a. frischer bis feuchter Boden [24][25], tiefgründiger Boden [24][25], lockerer, gut drainierter Boden [25], basenreicher Boden [24], stickstoffreicher Boden [24], nährstoffreicher Boden [25], stickstoffmäßiger Boden [25], nährstoffhaltiger Boden [25], pH-neutral um 6,5 [24][25], pH milder Boden (schwach alkalischer pH-Wert) [24][25], zusätzl. Edelsteine (Smaragd, Opalit, Sugilith, Roter Jaspis) [14], Vorsicht (keine längere Trockenheit) [25], Vorsicht (kein verdichteter Boden) [25]
5: Halbschatten [33]
6: Mild bis warm [33]
4: Subozeanisch [33]
7: Neutral bis schwach basisch [33]
0: Salzlos [33]
CAVE: Die Glykoside und Saponine machen die Pflanzenteile giftig [24]. Besonders gefährdet sind 2-6 jährige Kinder beim Spielen mit Rosskastanien, bei Kindern wurden nach dem Verzehr von grünen Schalen Vergiftungen beobachtet [11], es zeigten sich Schläfrigkeit, Gesichtsrötung, Gastroenteritis und Mydriasis [11]; weitere Vergiftungserscheinungen sind Erbrechen, Durchfall, starker Durst, Unruhe, Angst, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen [11]
CAVE(al): Die Pollen verursachen eine inhalative Allergie (obwohl insektenblütig, können bis zu 10 % der Pollinosefälle im Frühjahr der Rosskastanie zugerechnet werden) [11]
[Erste Hilfe]: Kohle-Pulvis 10 g, ggf. Augen spülen [11]
[Klinik-Therapie]: Nach wahrscheinlich großer Giftaufnahme Magenspülung (evtl. mit burgunderfarbener Kaliumpermanganatlösung), Instillation von 10 g Kohle-Pulvis, Elektrolytsubstitution, Azidoseausgleich mit Natriumbikarbonat (Urin pH 7,5), Überwachung der Nierenfunktion, bei Krämpfen Diazepam (Valium), gegen Koliken Atropin, ggf. Intubation und Sauerstoffbeatmung [11]
[Frucht/Samen]: Triterpensaponine (mind. 3 % bis 5 % bis 28 % des TG) [4][11][14][15][18][24][25] (v.a. Aescin-Komplex [4][11][14][15][18][24], Protoaescigenin [18], Barringtogenol C [18]), Flavonglykoside [15] (Quercetin 3,4'-diglucoside [24]), Leucocyanidin [24], Leucodelphinidin [24], Procyanidin A2 [24], Ansulin [14], Fette Öle [14]
[Samenschale]: Flavonoide [4][14], oligomere Proanthocyanidine (OPC) [4][18] (Oligomere von Epicatechin [18], Oligomere von Catechin [18] mit v.a. Procyanidin-B2 [18]), Catechingerbstoffe [4]
[Rinde, Samenschale]: Cumaringlykoside [4] (Aesculin [4], Fraxin [4], Scopolin [4])
[Rinde, Blätter, Blüte]: Aescin-Komplex (nur gering) [4][11][15], Saponine [11], Aescigenin [11], Gerbstoffe [14][15]
[Weitere]: Bitterstoffe [14], Stärke [14], Magnesium [14], Cumarine [14]
[Ökologie & Gefährdung]:
[Auszeichnungen & Bedeutung]:
[Wuchs & Formenvielfalt]:
[Geschichte & Namensherkunft]:
[++] EbM/Monographien (Fertigarzneimittel mit standard. Aescin):
[+] EbM/Monographien (Fertigarzneimittel mit standard. Aescin):
[++] Volksmed. (Samen):
[+] Volksmed. (Rinde, Samen):
[Samen]:
[Samen, Blätter, Rinde, Blüten]:
[Rinde]:
[Rinde, Blätter, Blüte]:
[Hom]:
[Rosskastanien-Tinktur bei Hämorrhoiden, Durchblutungsstörungen, Venenerkrankungen]: 2x tgl. 8-12 Trpf. (Blüten, Rinde, Blätter mit so viel hochprozentigem Alkohol übergießen bis alles bedeckt ist (10 Tage in die Sonne stellen, abfiltern, in dunkle Fläschen füllen, tropfenweise auf Zucker einnehmen oder als Einreibung verwenden) [14] bzw. für eine Essenz die frischen Pflanzenteile verwenden [14]
[Teeaufguss]: 1x tgl. bei Bedarf 1 TL Rinde/250 ml Wasser (erhitzen, nach kurzer Zeit abseihen) [14] bzw. 1 TL Blüten bzw. Blätter/250 ml Wasser (kochendes Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen, evtl. mit Honig süßen) [14]
[Badezusatz]: 500 g zerkleinerte Früchte/2 l siedendes Wasser (30 min ziehen lassen, absieben und dem Badewasser zufügen) [14] bzw. 2 Hand voll gequetschte Blüten (über Nacht in einem großen Topf Wasser ziehen lassen, am nächsten Morgen dem Badewasser beifügen) [14]
[Rheumapflaster]: Zerriebene unreife Samen und Schalen mit Wasser zu einem Brei rühren [14]
[Brusterweichendes Mittel in Stillzeit]: Kastanienpulver : Gerstenmehl (1:1, mit Apfelessig zu einem Brei vermischen, auf die betroffenen Stellen legen) [14]
[Homöopathikum]: 2-3x tgl. 5 Trpf D1-D3 [14]
[Fußbad mit Rosskastanien - reduziert Schwellungen im Gewebe und fördert die Durchblutung]: Zutaten: 100 g getrocknete Rosskastanien. Zubereitung: Die Kastanien zerstoßen und in ein Glas geben. Alternativ getrocknete und geschnittene Früchte aus dem Kräuterladen verwenden. Das Gefäß mit Wasser füllen und verschließen. Über Nacht stehen lassen. Das Glas am nächsten Tag schütteln und den Inhalt durch ein Sieb in die Fußbadewanne hineinfiltern. Anwendung: Die Wanne mit lauwarmen Wasser auffüllen und die Füße darin 10-15 Minuten baden. Dabei die Waden leicht mit dem Badewasser massieren. Danach die Füße kalt abduschen und ggf. mit Ringelblumen-Beinwell-Öl massieren oder mit Beifußessig einreiben. [95] (3/2022)
[Rosskastanien-Tinktur - bei schmerzenden Gliedmaßen und Krampfadern]: Zutaten: 5-7 Rosskastanien, 120 ml Doppelkorn; Zubereitung: Die Kastanien waschen, einschneiden und im Backofen bei 200 Grad etwa 15 Minuten rösten, bis die Schale aufplatzt. Die Kastanien abkühlen lassen, dann schälen und klein schneiden. Die Kastanienwürfel mit dem Doppelkorn auffüllen und gut verschließen, dann mindestens 3 Wochen ziehen lassen. Dabei regelmäßig schütteln. Anwendung: Bei Krampfadern 2 Wochen lang 3-mal täglich 10 Tropfen auf ein Wattepad geben und betroffene Bereiche damit einreiben. Bei größeren schmerzenden Regionen kann man die Tinktur auch im Verhältnis 1:2 mit Wasser mischen und als Kompresse auf die Stellen legen. [95] (4/2024)
[Rosskastanien-Salbe - gegen Entzündungen und Juckreiz]: Zutaten: 30 ml Olivenöl, 15 g Lanolin (in der Apotheke oder online erhältlich), 4 g Bienenwachs (beim Imker oder online erhältlich), 30 ml Rosskastanien-Tinktur; Zubereitung: Olivenöl, Lanolin und Bienenwachs in ein Glas geben. Glas samt Inhalt im Wasserbad erwärmen, bis alle Zutaten geschmolzen sind. Die Rosskastanien-Tinktur ebenfalls ins Wasserbad stellen und auf die gleiche Temperatur erwärmen. Die warme Tinktur zum Öl-Wachs-Gemisch gießen und solange rühren, bis die Masse etwas abgekühlt ist. So setzt sich das Öl nicht ab. Dann die Salbe abfüllen und vollständig auskühlen lassen. Anwendung: Die Rosskastaniensalbe regelmäßig morgens und abends auf Ödeme, Entzündungen und juckende oder schmerzende Stellen auftragen. Nicht bei offenen Wunden anwenden. [95] (4/2024)
[Färbepflanze]: k.A. [12]
[Futterpflanze/Tierfutter]:
[Chemietechnische Nutzung]:
[Materialtechnische bzw. bautechnische Nutzung]:
[Brennmaterial/Energielieferant]:
[Alleepflanze]:
[Zierpflanze]:
[Zimmerpflanze]:
[Färbepflanze]:
[Chemietechnische Nutzung]:
Benjamin Busse
07.06.2026