Liliaceae s. l. / Colchicaceae
Colchicum
Colchicum autumnale L.
Bulbocodium antumnale (L.) LAPEYR., Colchicum commune NECK.; heterotypisch: Colchicum autumnale ssp. pannonicum (GRISEB. & SCHENK) NYMAN, Colchicum autumnale ssp. vernum (REICHARD) NYMAN, Colchicum borisii STEF., Colchicum bulgaricum VELEN., Colchicum crociflorum SIMS, Colchicum drenowskii DEGEN & RECH.f. ex KITAN., Colchicum orientale FRIV. ex KUNTH, Colchicum pannonicum GRISEB. & SCHENK, Colchicum polyanthon KER GAWL., Colchicum praecox SPENN., Colchicum rhodopaeum KOV., Colchicum transsilvanicum SCHUR, Colchicum turcicum ssp. pannonicum (GRISEB. & SCHENK) NYMAN, Colchicum vernale HOFFM., Colchicum vernum (REICHARD) GEORGI, Colchicum vranjanum ADAMOVIC ex STEF.
Zeitlose
Herbstzeitlose
Ägidibleamel (ger.), Autumn crocus (engl.), Blutts Mäitli (swiss), Butterwecken (ger.), Colchico (ital.), Colchico d'autunno (ital.), Colchique d'automne (franz.), Cólquico (span.), Giftblume (ger.), Giftkrokus (ger.), Gutzergagel (ger.), Hahnenklöten (ger.), Henne (ger.), Hennegift (ger.), Hennengift (ger.), Herbst-Zeitlose (ger.), Herbstblume (ger.), Herbstkrokus (ger.), Herbstlilie (ger.), Herbstvergessene (ger.), Herfsttijdloos (ned.), Heugucken (ger.), Hundsblume (ger.), Hundsknofel (ger.), Hundszwiebel (ger.), Käsestäuber (ger.), Katharinenblume (ger.), Kokokköl (ger.), Kuckucksweck (ger.), Kühe (ger.), Kuhditzen (ger.), Kuheuter (ger.), Läuseblume (ger.), Lausblume (ger.), Leichenblume (ger.), Lichtblume (ger.), Meadow saffron (engl.), Michaeliblume (ger.), Michelsblume (ger.), Michelwurz (ger.), Mönchskappe (ger.), Mönchskappen (ger.), Nacktarsch (ger.), Nackte Damen (ger.), Nacktes Mädchen (ger.), Naked boys (engl.), Naked ladies (engl.), Ochsen (ger.), Ochsenpinsel (ger.), Säulöichrut (swiss), Spindelblume (ger.), Spinnblume (ger.), Teufelsbrot (ger.), Teufelswurz (ger.), Tüfelswurzle (swiss), Wiesenlilie (ger.), Wiesensaffron (ger.), Wiesensafran (ger.), Wilde Zwiebel (ger.), Wildsafran (ger.), Winterhaube (ger.), Winterhauch (ger.), Zitlose (swiss)
H: Mitteleuropa (Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande) [1], Mitteleuropa (Alpen, Alpenvorland, Mittelgebirgsgebiete des süddeutschen Schichtstufenlands (M1), Mittelgebirgsschwelle (M2), Flachland, Küstengebiete) [12], Westeuropa (Frankreich, südl. Großbritannien, südl. Irland) [1][24], Osteuropa (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, westl. Ukraine) [1], Südosteuropa (Bulgarien, Rumänien, Albanien, Nordwestbalkan, Griechenland) [1][24], Südeuropa (südl. Mitteleuropa, nördl. Italien) [1][15][24], Südwesteuropa (nördl. Spanien) [1][24]
V: Gemäßigtes Europa [4][18], Nordeuropa (Dänemark, Schweden) [1][24], Nordosteuropa (Baltische Staaten, Weißrussland, Nordwesteuropäisches Russland) [1][24], Osteuropa (Mitteleuropäisches Russland) [1], Nordafrika [4][18], westl. Nordamerika (Oregon) [1], östl. Nordamerika (North Carolina, Vermont, New Hampshire, Kentucky) [1], zentr. Nordamerika (Utah) [1], Ozeanien (Südneuseeland) [1]
Sommergrün (nur in wärmeren Jahreszeiten mit Blättern) [21]
4: meist gruppiert, zwischen 3 und 5 vermittelnd [21]
CAVE:
CAVE(max):
CAVE(cz): Da auch in getrockneten Pflanzenteilen das Alkaloid Colchicin erhalten bleibt, können beim Verfüttern von Heu mit Gehalt an getrocknetem Herbstzeitlosen-Kraut die gefährlichen Gifte in die Milch übergehen [11][24]. Colchicinbelastete Milch kann bei Menschen Krebserkrankungen auslösen: Auch bei Wiederkäuern kann eine Colchicinvergiftung auftreten (…); da die Alkaloide in die Milch übergehen, besteht ein Risiko für Konsumenten. Colchicin ist auch mutagen und kann zur Tumorbildung führen. Deshalb sollten Landwirtschaftsflächen, insbesondere Wiesen für die Gewinnung von Heu oder Silage, von Herbstzeitlosen befreit werden [24]
[Erste Hilfe]: Bei Verdacht einer Vergiftung ist unbedingt ärztliche Hilfe empfohlen, zum Beispiel über den Giftnotruf. Die lange Latenzzeit der Giftwirkung erschwert eine rechtzeitige Behandlung [24]. Bei wissentlicher Einnahme oder aber bei ersten Vergiftungsanzeichen sofort erbrechen lassen, z.B. mit mit Natriumsulfat (Glaubersalz), sowie resorptionsvermindernde Maßnahmen, z.B. durch Kohle-Pulvis-Gabe (Aktivkohle), Schocklagerung, Wärme und Frischluft, Trinken von warmen Tee oder Kaffee [11]
[Kliniktherapie]: Wegen der langen Latenzzeit ist eine Magenspülung (z.B. mit burgunderfarbener Kaliumpermanganatlösung) nur bei Verdacht oder Frühfällen sinnvoll. Im Vordergrund steht daher die Elementarhilfe in Form von Aufrechterhaltung des Kreislaufes und Wasser-Elektrolyt-Haushaltes (Elektrolytsubstitution durch Tropfinfusion mit Vollelektrolytlösung (Infusionen)). Azidoseausgleich mit Natriumbikarbonatlösung (Urin pH 7,5), Plasma(expander)gabe, Abdominalspasmen werden mit Atropin behandelt, bei Krämpfen Diazepam (Valium) i.v., gegen Darmspasmen bzw. Abdominalkoliken kann Atropin 1 mg 2 stdl. s.c. injiziert werden. Bei Sättigungsabfall als Anzeichen einer Atemlähmung evtl. Intubation zur Sauerstoffbeatmung erwägen [11][24]. Im Jahr 2009 waren Antidote gegen das Alkaloid Colchicin in Erprobung, aber noch nicht zugelassen [24]
[Nomenklatur & Systematik]:
[Geobotanik]:
[Verwechslungsgefahren]:
[Vergleich zu Bärlauchblättern]:
[Toxikologie]:
[Sonstiges]:
[+++] EbM/Monographien:
[++] EbM/Monographien:
[+] EbM/Monographien:
[++] Hom:
[+] Hom:
[+] Hom (D1 / D2-D4):
[+] Hom (D2 bzw. D3-D6):
[EbM/Monographien]:
[EbM/obsolet]:
[Volksmed.]:
[Hom]:
[Chemietechnische Nutzung]:
[Zierpflanze]: Die Herbstzeitlose wird trotz ihrer Giftigkeit in gemäßigten Klimazonen als Zierpflanze kultiviert [12][24]. Die Sorte 'Nancy Lindsay' wurde mit dem Award of Garden Merit der Royal Horticultural Society ausgezeichnet [24]
[Ethnobotanische Nutzung (allgemein / medizinisch / technisch)]: Aus den Staubgefäßen und dem Stempel der Blüten wurde mit Fett eine Salbe gegen Frostschäden an Händen gemacht. Frauen und Mädchen zerrieben die erste im Herbst gefudene Blüte zwischen den Händen, damit ihnen die Hände beim Spinnen nicht wund wurden [12][14]
[Hexenpflanze]: Der wissenschaftliche Gattungsname Colchicum leitet sich von einer Landschaft am Schwarzen Meer ab, der Kolchis im heutigen Georgien. Dort soll auch die Heimat der Zauberin Medea sein, welche die Herbstzeitlose für ihre Zaubertränke benutzte [14][24]. Seit damals wurde die Pflanze mit den hexen in Verbindung gebracht [14]. Vermutlich besteht ein Zusammenhang zwischen den Sagen um eine Giftmischerin in dieser Region und dem dortigen Vorkommen der Zeitloseart Colchicum variegatum. Das Artepitheton autumnale ist ein Verweis auf die Blütezeit im Herbst und leitet sich vom lateinischen autumnus „Herbst“ ab [24]
[Mythologiepflanze / Volksglauben]:
Benjamin Busse
25.01.2026