Colchicum autumnale L. (Herbstzeitlose)
Zusammenfassung
Nomenklatur & Systematik
- Familie
Liliaceae s. l. / Colchicaceae
- Gattung (botanisch) / Sektion
Colchicum
- Artname (botanisch)
Colchicum autumnale L.
- Synonyme (botanisch)
Bulbocodium antumnale (L.) LAPEYR., Colchicum commune NECK.; heterotypisch: Colchicum autumnale ssp. pannonicum (GRISEB. & SCHENK) NYMAN, Colchicum autumnale ssp. vernum (REICHARD) NYMAN, Colchicum borisii STEF., Colchicum bulgaricum VELEN., Colchicum crociflorum SIMS, Colchicum drenowskii DEGEN & RECH.f. ex KITAN., Colchicum orientale FRIV. ex KUNTH, Colchicum pannonicum GRISEB. & SCHENK, Colchicum polyanthon KER GAWL., Colchicum praecox SPENN., Colchicum rhodopaeum KOV., Colchicum transsilvanicum SCHUR, Colchicum turcicum ssp. pannonicum (GRISEB. & SCHENK) NYMAN, Colchicum vernale HOFFM., Colchicum vernum (REICHARD) GEORGI, Colchicum vranjanum ADAMOVIC ex STEF.
- Gattung (deutsch)
Zeitlose
- Artname (deutsch)
Herbstzeitlose
- Andere Artnamen & Volksnamen (international)
Ägidibleamel (ger.), Autumn crocus (engl.), Blutts Mäitli (swiss), Butterwecken (ger.), Colchico (ital.), Colchico d'autunno (ital.), Colchique d'automne (franz.), Cólquico (span.), Giftblume (ger.), Giftkrokus (ger.), Gutzergagel (ger.), Hahnenklöten (ger.), Henne (ger.), Hennegift (ger.), Hennengift (ger.), Herbst-Zeitlose (ger.), Herbstblume (ger.), Herbstkrokus (ger.), Herbstlilie (ger.), Herbstvergessene (ger.), Herfsttijdloos (ned.), Heugucken (ger.), Hundsblume (ger.), Hundsknofel (ger.), Hundszwiebel (ger.), Käsestäuber (ger.), Katharinenblume (ger.), Kokokköl (ger.), Kuckucksweck (ger.), Kühe (ger.), Kuhditzen (ger.), Kuheuter (ger.), Läuseblume (ger.), Lausblume (ger.), Leichenblume (ger.), Lichtblume (ger.), Meadow saffron (engl.), Michaeliblume (ger.), Michelsblume (ger.), Michelwurz (ger.), Mönchskappe (ger.), Mönchskappen (ger.), Nacktarsch (ger.), Nackte Damen (ger.), Nacktes Mädchen (ger.), Naked boys (engl.), Naked ladies (engl.), Ochsen (ger.), Ochsenpinsel (ger.), Säulöichrut (swiss), Spindelblume (ger.), Spinnblume (ger.), Teufelsbrot (ger.), Teufelswurz (ger.), Tüfelswurzle (swiss), Wiesenlilie (ger.), Wiesensaffron (ger.), Wiesensafran (ger.), Wilde Zwiebel (ger.), Wildsafran (ger.), Winterhaube (ger.), Winterhauch (ger.), Zitlose (swiss)
Geobotanik & Ökologie
- Geographische Herkünfte (H) / Verbreitungen (V) / Anbaugebiete (A)
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H: Mitteleuropa (Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande) [1], Mitteleuropa (Alpen, Alpenvorland, Mittelgebirgsgebiete des süddeutschen Schichtstufenlands (M1), Mittelgebirgsschwelle (M2), Flachland, Küstengebiete) [12], Westeuropa (Frankreich, südl. Großbritannien, südl. Irland) [1][24], Osteuropa (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, westl. Ukraine) [1], Südosteuropa (Bulgarien, Rumänien, Albanien, Nordwestbalkan, Griechenland) [1][24], Südeuropa (südl. Mitteleuropa, nördl. Italien) [1][15][24], Südwesteuropa (nördl. Spanien) [1][24]
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V: Gemäßigtes Europa [4][18], Nordeuropa (Dänemark, Schweden) [1][24], Nordosteuropa (Baltische Staaten, Weißrussland, Nordwesteuropäisches Russland) [1][24], Osteuropa (Mitteleuropäisches Russland) [1], Nordafrika [4][18], westl. Nordamerika (Oregon) [1], östl. Nordamerika (North Carolina, Vermont, New Hampshire, Kentucky) [1], zentr. Nordamerika (Utah) [1], Ozeanien (Südneuseeland) [1]
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- Biotoptypen
- Standortfaktoren (Ökofaktoren)
- Soziol. Pflanzencharakteristik
- Blattausdauer
Sommergrün (nur in wärmeren Jahreszeiten mit Blättern) [21]
- Dominanz
4: meist gruppiert, zwischen 3 und 5 vermittelnd [21]
Pharmazie & Pharmakologie
- Nebenwirkungen / Risikobemerkungen
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CAVE:
- Das Alkaloid Colchicin ist ein Kapillar- und Mitosegift und hat eine geringe therapeutische Breite [4][24]; eine Menge von >10 mg Colchicin ist toxisch [18]. Die Herbstzeitlose ist eine tödlich giftige Pflanze und in keinem Fall zur Selbstmedikation geeignet [15]! Alle Zubereitungen auch der Herbstzeitlosen sind verschreibungspflichtig und gehören nicht in die Hand eines Laien [14]
- Da die Herbstzeitlose in allen Teilen (auch in den Blüten) das stark giftige Colchicin enthält, kommt es beim Pflücken der Blüten insbesondere durch Kinder, welche die Blüten in den Mund stecken, gelegentlich zu gefährlichen Vergiftungen, auch mit tödlichem Verlauf [15][24]. Es kommt immer wieder zu Vergiftungsfällen durch Verwechslung mit Bärlauch oder Krokus [24]. Weil sich die Beschwerden aber oft erst 2-6(12) Stunden nach Aufnahme bemerkbar machen [11][14][24], wenn das Gift schon in die Blutbahn gelangt ist, muss die Erste Hilfe schnellstens erfolgen. Es ist so schnell wie möglichein Krankenhaus aufzusuchen, denn nur dort kann wirklich geholfen werden [15]
- Vergiftungserscheinungen äußern sich zunächst in einem Brennen im Mund, Schweißausbruch, gefolgt von Übelkeit und heftigem Erbrechen, das auch nach Magenentleerung nicht aufhört (bis hin zum reiswasserähnlichem Erbrechen von Galle und Magenschleim). Großer Durst stellt sich ein. Es folgen heftiger Harndrang, kolikartige Magenschmerzen und blutige Durchfälle, Schluckbeschwerden, Benommenheit/Kollaps, nach anfänglicher Bradykardie folgt der Schock mit Tachykardie (>150 bpm) und Hypotonie, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe und Lähmungen, Gesichtsblässe und Blaufärbung der Lippen und Nasenspitze, Atemlähmung [11][15][24]. Blutbildveränderungen mit Leukopenie bis zur Agranulozytose sowie eine aplastische Anämie können auftreten [11]
- Für ein Kind kann schon ein einziger Samen gefährlich sein, deshalb muss man Kinder auf diese Pflanze hinweisen [14]. Die Einnahme von 3-4 Samen führten bei Kindern zu Übelkeit und Erbrechen [11]. Je nach Dosis kann es insbesondere bei Kindern schon in geringer Konzentration in wenigen Tagen zu tödlicher Atemlähmung oder Kreislaufversagen kommen, häufig beobachtet mit Nierenschädigungen [18][24]
- Vorsicht auch bei alten und geschwächten Patienten sowie bei Patienten mit Herz-, Nieren- oder gastrointestinalen Erkrankungen [11]
- Colchicin aus Colchicum autumnale und seinen Zubereitungen wurde als verbotener Stoff in der Kosmetikverordnung von 1985 aufgeführt [11]
- Für viele Tierarten ist die Herbstzeitlose ebenfalls sehr giftig, wie Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Hasen, Meerschweinchen, Hamster, Vögel. Bei den Großtieren sind insbesondere Pferde und Schweine gefährdet. Rinder und Schafe reagieren nicht ganz so empfindlich. Vergiftungserscheinungen sind Verweigerung der Nahrung, Speicheln, Erbrechen, Schweißausbruch, Koliken, blutiger Durchfall, Abmagerung, Kreislaufstörungen, Lähmung. Bei Großtieren kann der Tod nach 1-3 Tagen der Tod durch Atemlähmung eintreten [11]
- Laktierende Tiere können das Gift über die Milch abgeben, auch wenn sie selbst keine Vergiftungserscheinungen zeigen [11][24]. Es kommt immer wieder zu Vergiftungen, auch nach dem Konsum von Schaf- oder Ziegenmilch, wenn sie von Tieren stammt, welche die Blätter gefressen hatten [14]
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CAVE(max):
- Während einer Langzeitbehandlung sind regelmäßige Blutbild- und Nieren-/Leberfunktionskontrollen notwendig [15]
- Bei längerem Gebrauch können Hautveränderungen, Agranulozytose, aplastische Anämie, Myopathie mit Muskelschmerzen und Muskelschwäche und Alopezie/Haarausfall auftreten [11][25]
- Als tödliche Dosis von Colchicin gelten beim Menschen etwa 0,8 mg/kg KG. Eine Menge von 5 g Samen (ca. 20 mg Colchicin) [4][11] bzw. 40 mg Colchicin [18] sind für Erwachsene tödlich [4]; für Kinder gilt eine Dosis von 1,2-1,5 g Samen (ca. 5 mg Colchicin) als tödlich [11]
- Dagegen können etwa 60 g frische Blätter einen 80 kg Menschen töten [4][18]
- Die tödliche Dosis bei Rindern beträgt 1500-2500 g der frischen Blätter und unreifen Samenkapseln oder 2000-2500 g der getrockneten Pflanze [11]
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CAVE(cz): Da auch in getrockneten Pflanzenteilen das Alkaloid Colchicin erhalten bleibt, können beim Verfüttern von Heu mit Gehalt an getrocknetem Herbstzeitlosen-Kraut die gefährlichen Gifte in die Milch übergehen [11][24]. Colchicinbelastete Milch kann bei Menschen Krebserkrankungen auslösen: Auch bei Wiederkäuern kann eine Colchicinvergiftung auftreten (…); da die Alkaloide in die Milch übergehen, besteht ein Risiko für Konsumenten. Colchicin ist auch mutagen und kann zur Tumorbildung führen. Deshalb sollten Landwirtschaftsflächen, insbesondere Wiesen für die Gewinnung von Heu oder Silage, von Herbstzeitlosen befreit werden [24]
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[Erste Hilfe]: Bei Verdacht einer Vergiftung ist unbedingt ärztliche Hilfe empfohlen, zum Beispiel über den Giftnotruf. Die lange Latenzzeit der Giftwirkung erschwert eine rechtzeitige Behandlung [24]. Bei wissentlicher Einnahme oder aber bei ersten Vergiftungsanzeichen sofort erbrechen lassen, z.B. mit mit Natriumsulfat (Glaubersalz), sowie resorptionsvermindernde Maßnahmen, z.B. durch Kohle-Pulvis-Gabe (Aktivkohle), Schocklagerung, Wärme und Frischluft, Trinken von warmen Tee oder Kaffee [11]
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[Kliniktherapie]: Wegen der langen Latenzzeit ist eine Magenspülung (z.B. mit burgunderfarbener Kaliumpermanganatlösung) nur bei Verdacht oder Frühfällen sinnvoll. Im Vordergrund steht daher die Elementarhilfe in Form von Aufrechterhaltung des Kreislaufes und Wasser-Elektrolyt-Haushaltes (Elektrolytsubstitution durch Tropfinfusion mit Vollelektrolytlösung (Infusionen)). Azidoseausgleich mit Natriumbikarbonatlösung (Urin pH 7,5), Plasma(expander)gabe, Abdominalspasmen werden mit Atropin behandelt, bei Krämpfen Diazepam (Valium) i.v., gegen Darmspasmen bzw. Abdominalkoliken kann Atropin 1 mg 2 stdl. s.c. injiziert werden. Bei Sättigungsabfall als Anzeichen einer Atemlähmung evtl. Intubation zur Sauerstoffbeatmung erwägen [11][24]. Im Jahr 2009 waren Antidote gegen das Alkaloid Colchicin in Erprobung, aber noch nicht zugelassen [24]
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- Nutzbare Pflanzenteile
- [EbM/Monographien]: Reife getrocknete Samen (Colchici semen / früher: Semen Colchici (autumnalis)) [Komm.E+] [4][11][14][15][18][24], in Scheiben geschnittene und getrocknete Knolle (Colchici tuber / früher: Tubera Colchici (autumnalis) bzw. Colchici bulbus / früher Bulbus Colchici [14][15] bzw. Cormus Colchici (autumnalis)) [Komm.E+] [18]
- [Volksmed.]: Frische Blüten (Colchici flos) [4][11][18]
- [Hom]: Frische im Frühjahr gesammelte Zwiebelknollen (Colchicum autumnale e seminibus) [Komm.D+] [4][11][14], Frische im Frühjahr gesammelten Samen [14][15] und Blüten [14], Frische im Herbst gesammelten, zerkleinerten und in Alkohol angesetzten Zwiebelknollen [24]
- Pflanzliche Inhaltsstoffe
- [Alle Pflanzenteile]: Phenethylisochinolinalkaloide [18]/Tropolonalkaloide [4] (v.a. Colchicin [4][11][15][18][24] (0,3-1,2 % [18] bzw. 1,8 % (Blüte) > 0,5 % (Samen) > 0,2 % (Knolle) > 0,03 % (Blätter) [24] bzw. 0,4-1,2 % (Samen) > 0,1-0,6 % (Knolle/Zwiebel) > 0,02-0,1 % (Blätter) > geringe Mengen (Blüten) [andere Quellen]), u.a. etwa 20 Alkaloide [14][15][24], wie beta- und gamma-Lumicolchicin [11], Demecolcin [4][11][24], etc.), Glykosid Colchicosid [4][24], Inulin [24], Asparagin [24]
- [Weitere Inhaltsstoffe in Samen und Knollen]: Fettes Öl [14], Eiweiß [14], Gerbstofffe [14]
- Pharmakologische Studienergebnisse
- Colchicin hat eine Ähnlichkeit mit Arsen [14] und ist ein Mitosehemmstoff, hemmt also die Zellteilung, indem es an Tubulin bindet und die Bildung von Mikrotubuli hemmt [4][18]; es hemmt bei der Zellteilung jedoch nicht die Teilung der Chromosomen, weshalb Colchicin in der Pflanzenzüchtung polyploider Pflanzen eingesetzt wird [14]
- Colchicin hat einen hohen Stellenwert in der Behandlung der akuten Gicht (Podagra): Colchicin unterbricht die Reaktionskette, die zum Auskristallisieren der Harnsäure, dem Grund des Entzündungsgeschehens bei Gicht, führt [4][24]; auf den Blutharnsäurespiegel oder die Harnsäureausscheidung hat es dagegen keinen Einfluss [4]. Auch hemmt Colchicin die Beweglichkeit der Makrophagen und der Leukozyten, sodass diese im entzündlich veränderten Gewebe weniger einwandern können [14]
- In therapeutischer Dosis besitzt Colchicin sehr gute entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung, da es die Wanderung der Makrophagen zu den entzündeten Gelenken hemmt, die mit einem akuten (durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen ausgelösten) Gichtanfall einhergeht [18]
- Herbstzeitlosensamen sind im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) und im Europäischen Arzneibuch enthalten; es wird ein Gehalt von mindestens 0,4 % Gesamtalkaloide, berechnet als Colchicin [11][24]. So enthält als bekanntes Präparat (Colchicum-Dispert®) beispielsweise je Dragee einen Trockenextrakt von Semen Colchici zu 15,6 mg mit einem Colchicin-Gehalt von 0,5 mg [24]
- Mit Erfolg wird Colchicin außerdem zur Behandlung des familiären Mittelmeerfiebers [4][24] und bei bestimmten entzündlichen Dermatosen eingesetzt [4]
- Herbstzeitlosepulver wurde bereits im Mittelalter zur äußerlichen Behandlung von geschwürig zerfallenden Hauttumoren (wie dem Basalzellkarzinom) benutzt.
- Demecolcin wurde unter anderem in der Krebstherapie eingesetzt [24]. Jedoch hat man die Behandlung von Leukämien mit Demecolcin wieder verlassen [4][18], da die therapeutische Breite dieser Substanz zu gering ist [4]
- Da Colchicin häufig Durchfall hervorruft, setzt man den Zubereitungen gewöhnlich Antidurchfallmittel zu [18]
- Im Jahr 2009 waren Antidote gegen das Alkaloid Colchicin in Erprobung, aber noch nicht zugelassen [24]
- Vergleiche zu ähnlichen Pflanzen
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[Nomenklatur & Systematik]:
- Die Herbstzeitlose wird „Nackte Jungen" bzw. "Nackte Damen“ genannt, weil die Blüten lange vor den Blättern aus dem Boden sprießen. Trotz des umgangssprachlichen Namens „Wiesensafran“ ist diese Pflanze nicht die Quelle des Safrans, der aus dem Safran-Krokus, Crocus sativus, gewonnen wird – und auch diese Pflanze wird manchmal „Herbst-Krokus“ genannt [24]
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[Geobotanik]:
- Das Drogenmaterial der Herbstzeitlosen wird v.a. am Wildstandort gesammelt [18]
- In lichten Auenwäldern kann die Herbstzeitlose teilweise massenhaft direkt neben Bärlauch vorkommen (so z.B. in einem Auwald bei Umkirch im Breisgau), so dass dort ein Weideauftrieb mit Nutztieren unmöglich wird [24]. Nach Vorschriften der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie wurden so auch Wirtschaftswiesen stillgelegt, wo die Vorkommensdichte der Herbstzeitlose zugenommen hat; so z.B. auf der Baar am südöstlichen Schwarzwald-Rand in der Umgebung der Stadt Löffingen, wo pro Quadratmeter oft >30 dieser Giftpflanzen vorzufinden sind [24]
- Colchicum autumnale ist die einzige Art ihrer Familie, die in Großbritannien und Irland heimisch ist [24]
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[Verwechslungsgefahren]:
- Die Herbszeitlose kann gelegentlich mit herbstblühenden Krokussen verwechselt werden [24]
- Auch können die Blätter der Herbstzeitlose mit den Blättern von Bärlauch (Allium ursinum) verwechselt werden, da im Frühjahr ebenfalls wie beim Bärlauch die Blätter der Herbstzeitlosen erscheinen und ab Mai wieder welken [14][24]. Erschwerend kommt hinzu, dass man – anders als bei vielen anderen Pflanzen – bei der Herbstzeitlose die Blätter und die Blüten niemals gleichzeitig sieht; ab Welken der Blätter beginnt bei der Herbstzeitlosen die Frucht zu reifen [14]. Im Herbst sieht man dann die leicht erkennbaren Blüten (stets ohne Blätter) [14][24]
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[Vergleich zu Bärlauchblättern]:
- Die Blätter der Herbstzeitlosen wachsen schräg bis steil nach oben und wirken schmal, sind aber eigentlich recht breit und können bis zu 40 cm lang werden. Die Blätter sind dick, fest und an der Spitze bootförmig zusammengezogen. Im Gegensatz dazu sind Bärlauchblätter dünn, flach und werden schnell schlaff [24]
- Die Blätter der Herbstzeitlosen sind immer leicht nach links gedreht [24]
- Die Blätter der Herbstzeitlosen sind grundständig, Bärlauchblääter haben dagegen immer einen deutlichen Stiel [14][25]
- Die Blätter der Herbstzeitlosen sind praktisch geruchlos, Bärlauch riecht dagegen stark nach Knoblauch [14]
- Die Blätter der Herbstzeitlosen erscheinen im Frühsommer zusammen mit der Frucht, dagegen die des Bärlauchs bereits im Frühjahr (März-April) [24]
- Die Blätter der Herbstzeitlosen sieht man nie gleichzeitig während der Blütezeit der Pflanze, dagegen die Blätter des Bärlauchs sehr wohl [14][25]
- Bei der Herbstzeitlosen findet man nahe dem Boden (im unteren Bereich der Blätter) die versteckte Frucht (Kapsel mit 3 schwarzen Fäden), beim Bärlauch ist das nicht zu sehen [14]
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[Toxikologie]:
- Auf Grundlage einer KI-gestützten tabellarischen Vergleichsanalyse der relativen Giftigkeit innerhalb der Gattung Colchicum ergibt sich folgende Abstufung: Colchicum autumnale (RG sehr hoch; Vergiftungen sehr häufig dokumentiert) > Colchicum × byzantinum (RG hoch–sehr hoch; Vergiftungen vereinzelt dokumentiert) > Colchicum speciosum (RG hoch; Vergiftungen vereinzelt dokumentiert) > Colchicum bivonae (RG hoch; Vergiftungen selten dokumentiert) > Colchicum variegatum (RG hoch; Vergiftungen sehr selten dokumentiert) > Colchicum laetum (RG mittel-hoch; Vergiftungen kaum dokumentiert) > Colchicum persicum (RG mittel; Vergiftungen kaum dokumentiert) > Colchicum arenarium (RG mittel; Vergiftungen kaum dokumentiert) [25]
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[Sonstiges]:
- Die Herbstzeitlose wurde 2010 zur Giftpflanze des Jahres gewählt [24]
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- Standortbesonderheiten (biochemisch / geoökochemisch)
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- Der Colchicingehalt innerhalb der Gattung Colchicum variiert in Abhängigkeit vom Pflanzenteil und vom Entwicklungsstadium. Die höchsten Konzentrationen finden sich in der Regel in Knollen und Samen, während Blüten vergleichsweise geringere Gehalte aufweisen [24]. In der Knolle soll Colchicin nur/insbesondere vor der Samenreife enthalten sein, dagegen in den ausgereiften Samen in zuverlässig konstanter Menge von 0,3-0,5 % vorkommen [15]
- Der Colchicingehalt ist stark schwankend, unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen und nimmt im Verlauf der Samenreifung zu [11][24]. Für die Herbstblüte werden im Vergleich zu generativen Speicherorganen niedrigere Colchicin-Gehalte beschrieben. Der Einfluss von Standortfaktoren wie Höhenlage oder Reifegrad ist in der Literatur nicht einheitlich belegt und wird uneinheitlich diskutiert [25]. Vereinzelt wird berichtet, dass der Colchicingehalt mit zunehmender Reife der generativen Organe sowie an tiefer gelegenen Standorten höher ausfällt, während er mit zunehmender Höhenlage des Standorts abnimmt [11]; zudem werden geringere Gehalte in Samen und Samenkapseln während des Sommers sowie in der Blüte im Herbst angegeben [24]
- Konservieren & Aufbewahren
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Medizin & Rezepturen
- Evidenzbasierte Medizin EbM / Monographien (Evidenzgrad I-IV)
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[+++] EbM/Monographien:
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[++] EbM/Monographien:
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[+] EbM/Monographien:
- Algesie / Schmerz: Neuralgie [14], schmerzstillend [18]
- Bewegungsapparat / Gelenk: Akuter Gichtanfall [14][15][18], Rheuma [14]
- Haut: entzündliche Hauterkrankungen [4]
- Immunsystem / Immunregulation: familiäres Mittelmeerfieber [15][18]
- Zelle: Mikrotubuli-hemmend [18], zellteilungshemmend [14], Leukämie [14], Hautkrebs [14], Tumore [14]
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- Pharm. / labor. Studienergebnisse (Evidenzgrad V-VI)
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- Monographien (obsolet)
- [+] EbM/obsolet:
- Zelle: Krebstherapie [18]
- [+] EbM/obsolet:
- Homöopathie
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[++] Hom:
- Magen/Darm: Magen- und Darmentzündungen [15]
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[+] Hom:
- Algesie / Schmerz: Kopfneuralgie [15]
- Atemwege / Lunge: Kitzelhusten [15]
- Auge: Katarakt [24]
- Bewegungsapparat / Gelenk: Gicht [4][11][14][15][24], Gelenkrheuma [4][15], Rheuma [14][24]
- Bewegungsapparat / Trauma: Sehnenscheidenentzündung [4]
- Herz: Herzentzündung (Myokarditis / Perikarditis) [24], Herz- und Kreislaufstörungen [15]
- Magen: Schwangerschaftserbrechen [24]
- Magen/Darm: Gastroenteritis [24], Magendarmentzündung [4]
- Niere: Nierenentzündung [4]
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[+] Hom (D1 / D2-D4):
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[+] Hom (D2 bzw. D3-D6):
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- Anthroposophische Medizin
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- Wechselwirkungen
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- Darreichungsformen & Zubereitungen
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[EbM/Monographien]:
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[EbM/obsolet]:
- isol. Colchicin zur Krebstherapie [18]
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[Volksmed.]:
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[Hom]:
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- Arzneimittel & Fertigpräparate (Beispiele)
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- Medizinische Rezepturen
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- [Extrakte bei akutem Gichtanfall]: max TD <8 mg (Anfangsdosis 1 mg Colchicin p.o., mit Folgedosen von 0,5-1,5 mg in 2-3-stündigen Intervallen je nach Bedarf, zusätzliche Gabe von Antidurchfallmittel) [18]
- [Extrakte bei familiärem Mittelmeerfieber]: TD 0,5-1,5 mg (in 2-3-stündigen Intervallen je nach Bedarf, zusätzliche Gabe von Antidurchfallmittel) [18]
- Rezepte - Essen & Trinken
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Nutzpflanzenkunde & Ethnobotanik
- Nutzung nichtmedizinisch
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[Chemietechnische Nutzung]:
- In der Pflanzenzucht verwendet man Colchicin zur Mutationsauslösung und somit zur Schaffung von polyploiden Pflanzen (Polyploidisierung) [11][18][24], was zur Vergrößerung von Zuchtpflanzen, wie z.B. bei Erdbeeren, führt. Diese Wirkung wird erzielt, da Colchicin die Mitose/Zellteilung hemmt, indem es an Tubulin bindet und die Bildung von Mikrotubuli hemmt, jedoch nicht die Teilung der Chromosomen unterbricht [14][18][24], sodass sich die DNA-Menge im Zellkern bei jeder unterbrochenen Teilung verdoppelt, wodurch jede einzelne Zelle weitaus größer wird [24]
- Colchicin wird auch in der Zytodiagnostik verwendet [18]
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[Zierpflanze]: Die Herbstzeitlose wird trotz ihrer Giftigkeit in gemäßigten Klimazonen als Zierpflanze kultiviert [12][24]. Die Sorte 'Nancy Lindsay' wurde mit dem Award of Garden Merit der Royal Horticultural Society ausgezeichnet [24]
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- Nutzung nichtmedizinisch (obsolet)
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- Ethnobotanische Bedeutung
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- Ethnobotanische Bedeutung (obsolet)
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[Ethnobotanische Nutzung (allgemein / medizinisch / technisch)]: Aus den Staubgefäßen und dem Stempel der Blüten wurde mit Fett eine Salbe gegen Frostschäden an Händen gemacht. Frauen und Mädchen zerrieben die erste im Herbst gefudene Blüte zwischen den Händen, damit ihnen die Hände beim Spinnen nicht wund wurden [12][14]
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[Hexenpflanze]: Der wissenschaftliche Gattungsname Colchicum leitet sich von einer Landschaft am Schwarzen Meer ab, der Kolchis im heutigen Georgien. Dort soll auch die Heimat der Zauberin Medea sein, welche die Herbstzeitlose für ihre Zaubertränke benutzte [14][24]. Seit damals wurde die Pflanze mit den hexen in Verbindung gebracht [14]. Vermutlich besteht ein Zusammenhang zwischen den Sagen um eine Giftmischerin in dieser Region und dem dortigen Vorkommen der Zeitloseart Colchicum variegatum. Das Artepitheton autumnale ist ein Verweis auf die Blütezeit im Herbst und leitet sich vom lateinischen autumnus „Herbst“ ab [24]
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[Mythologiepflanze / Volksglauben]:
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Quellenangaben
- [1] Royal Botanic Gardens (Kew) (ff): Plants of the World Online; https://powo.science.kew.org/
- [4] Schönfelder I. & Schönfelder P. (2011): Das neue Handbuch der Heilpflanzen; Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart
- [11] Roth L., Daunderer M., Kormann K. (2008): Giftpflanzen, Pflanzengifte; Nikol Verlags-GmbH
- [12] Haeupler H. & Muer T. (2007): Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands; Ulmer Verlag, Stuttgart
- [14] Hirsch S. & Grünberger F. (2006): Die Kräuter in meinem Garten; Freya Verlag, Linz
- [15] Pahlow M. (2006): Das große Buch der Heilpflanzen; Weltbild Verlag, München
- [18] Van Wyk B.E., Wink C., Wink M. (2004): Handbuch der Arzneipflanzen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
- [21] Ellenberg H., Weber H.E., Düll R., Wirth V., Werner W., Paulißen D. (1992): Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. Band 18; Erich Goltze Verlag, Göttingen
- [24] Wikipedia (ff): Die freie Enzyklopädie / The Free Encyclopedia; https://www.wikipedia.org/
- [25] Busse B. (ff): Eigene Darstellung; PlantaMedia
- [33] Landolt E., Bäumler B., Erhardt A., Hegg 0., Klölzli F., Lämmler W., Nobis M., Rudmann-Maurer K., Schweingruber F. H., Theurillat J., Urmi E., Vust M., Wohlgemuth T. (2010): Flora indicativa. Ökologische Zeigerwerte und biologische Kennzeichen zur Flora der Schweiz und der Alpen; Haupt Verlag
- [34] Delarze R., Gonseth Y., Eggenberg S., Vust M. (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten; Ott Verlag
- [35] Lauber K., Wagner G., Gygax A. (2018): Flora Helvetica - Illustrierte Flora der Schweiz; Haupt Verlag
- Autoren
Benjamin Busse
- Letzte Änderung
25.01.2026