Scrophulariaceae
Digitalis
Digitalis purpurea L.
Fingerhut
Roter Fingerhut
Common foxglove (engl.), Fingerkraut (ger.), Fingerpiepen (ger.), Fuchskraut (ger.), Handschuhkraut (ger.), Liebfrauenhandschuh (ger.), Potschen (ger.), Red foxglove (engl.), Schwulstkraut (ger.), Waldglocke (ger.), Waldglöckchen (ger.), Waldschelle (ger.)
6, 4, 8
T2.1.1.1, T2.2.1, T10.3.3.1 (Wald)
7
5
5
2
3
6
0
VI-VIII [4]
Im Herbst des 1. Kulturjahres [4]
3, 2-3(?) [4], Al(h)
CAVE: Geringe therapeutische Breite! [4]; Wegen der Giftigkeit keine Selbstmedikation! [18]; Vergiftungen durch Verwechslung z.B. mit Borretschblättern möglich! [4]; v.a. Vergiftungen durch hohe Empfindlichkeit der Patienten sowie die dadurch leicht gegebene Überdosierung von Fertigarzneimitteln möglich! [4]; Neue Studien weisen daruaf hin, dass Patienten, die eine Frequenzkontrolle mit Digitalispräparaten erhalten, eine erhöhte Gesamtmortalität aufweisen (AFFRIM-Studie) [Pharma]; dies könnte dazu führen, dass Digitalis in Zukunft nicht mehr zur Frequenzkontrolle bei Tachyarrhythmia absoluta verwendet wird! [Pharma]
Ganze Pflanze, Blätter
Komlexe Mischungen von etwa 80 herzwirksamen Cardenolid-Primärglykosiden [4][18] (wie Purpureaglykosid A+B [4][18] (bis zu 0,4 % [18]), aus denen nach enzymatischer Abspaltung eines Moleküls Glucose die Sekundärglykoside Digitoxin [4][18] bzw. Gitoxin [4] entstehen), Glucogitaloxin, Digitalinum verum, Glucoverodoxin, u.a. >30 weitere herzwirksame Cardenolidglykoside [4]), Pregnanglykoside [4] (Digitanolglykoside [4], nicht herzwirksam [4]), Saponine [18]/Steroidsaponine [4] (hoher Gehalt [18], wie Digitonin [4]), Anthrachinone [4]
Die Droge selbst wird wegen ihrer geringen therapeutischen breite nicht verwendet (ausgenommen wenige homöopathische Zubereitungen) [4][18], sie dient ausschließlich als Ausgangsmaterial zur Gewinnung der Reinglykoside und partialsynthetisch abgewandelter Produkte (verschreibungspflichtig) [4], v.a. Digitoxin [PhEur] [18]; Zubereitungen der reinen Glykoside zum oralen Gebrauch (Tabletten oder Tropfen) oder zur Injektion werden sorgfältig eingestellt [18]; Digitalis (Digoxin und Digitoxin) wird seit 1785 zur Behandlung von Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen verwendet [18]; die Cardenolidglykoside hemmen selektiv die Na+/K+-ATPase und erhöhen somit indirekt die Ca2+-Konzentration intrazellulär in den Herzmuskelzellen [18], Digoxin und Digitoxin führen so zu einer Kontraktionskraftsteigerung (positiv inotrop), erhöhtem Schlagvolumen, Verlangsamung der Herzschlagfrequenz (negativ chronotrop) und durch eine Vaguserregung zu einer Verlangsamung der AV-Erregungsüberleitung im Herzen (negativ dromotrop) [18, Pharma]; Dies ist nur bei einer Herzinsuffizienz Stadium NYHA II und nur bei gleichzeitigem tachykardem Vorhofflimmern oder bestehenden Beschwerden nach adäquater Erstlinientherapie indiziert [Pharma]; Herzglykoside werden bei Tachyarrhythmie mit Vorhofflimmern und einer chronischen Linksherzinsuffizienz ab NYHA III eingesetzt [Pharma]; Homöopathisch bei Migräne einzusetzen [4]
Die Sekundärglykoside Acetyldigitoxin und Acetylgitoxin stimmen mit den Sekundärglykosiden von Digitalis lanata überein [4]
Wirkstoffgehalt variabel, steigt bei Glashauspflanzen
Standardisierte Reinglykoside [4][18] (exakte Dosierungsmöglichkeit [4], v.a. das Digitoxin [4][18]) als rezeptpflichtige Fertigarzneimittel (Drogenpulver auf standardisierten Wirkstoffgehalt eingestellt) [4][18] als Tabletten [18] oder Tropfen [18] oder zur i.v.-Injektion [18], Äußerliche Drogenzubereitungen bzw. Glykosidgemische in Wundmitteln [4] oder Venentonika [4] sowie Augentropfen gegen Ermüdungserscheinungen beim Nahsehen [4]; Hom: Digitalis purpurea [4], "Digitalis" [HAB] [4]
[Standardisierte Zubereitungen]: TD 0,1-2 mg (manchmal in mehreren geringen Einzeldosen, je nach spezifischer Behandlung und eingesetztem Glykosidtyp, individuell auf jeden Patienten angepasst) [18]; [Digitoxin-Präparat/Digimerck]: TD 1 µg/kg KG (t1/2 = 3 Wochen, für schnellen Wirkeintritt während der ersten 3 Tage: TD ca. 3 µg/kg KG) [Pharma]; Digoxin-Präparat/Novodigal]: TD ca. 4 µg/kg KG (t1/2 = 3 Tage) [Pharma]
Benjamin Busse
14.10.2024