Die Gewöhnliche Osterluzei (Aristolochia clematitis L.) gehört zur Familie der Aristolochiaceae und kommt in Mitteleuropa sowie in verschiedenen Teilen Europas und Asiens vor. Sie wächst bevorzugt in Hartholz-Auenwäldern, Gebüschen und nährstoffreichen Säumen. Die Pflanze ist stark giftig, insbesondere die Wurzeln, und ihre Nutzung ist aufgrund ihrer nephrotoxischen und mutagenen Eigenschaften stark eingeschränkt. Traditionell wurde sie in der Volksmedizin verwendet, um Wunden zu heilen sowie geburtseinleitende und abtreibungsfördernde Wirkungen zu erzielen.
Aristolochiaceae
Aristolochia
Aristolochia clematitis L.
Aristolochia infesta SALISB., Aristolochia longa GEORGI, Aristolochia quadriflora GUELDENST., Aristolochia tenuis HOUTT.
Pfeifenblume
Gewöhnliche Osterluzei
Aristoloche commune (franz.), Aristolochia (ital.), Aristolochia clematite (ital.), Aristoloquia (span.), Birthwort (engl.), Birthwort dutchman's-pipe (engl.), Echte Osterluzei (ger.), Echte Pijpbloem (ned.), European birthwort (engl.), Gewöhnliche Pfeifenblume (ger.), Pipe (franz.), Sarrasine (franz.), Wolfskraut (ger.)
Gebirge (kolline Stufe) [35], Flachland [25], Wälder (Laubwald) [4], Wälder (Auwald) [24][25], Wälder (licht) [25], Gebüsche [24][25], Unkrautfluren [4][24], Säume [25], Böschungen [24], Weinberge [11][14][24][25][35], Wegränder [11], Hügel [11], Mauern [14][35], Hecken [24][35], Zäune [24], Ackerränder [24], Äcker (Getreide) [24]
0: Salzlos [21]
S: Sommergrün, nur in der wärmeren Jahreszeit mit grünen Blättern [21]
3: selten, d.h. in etwa 5% der Felder [21]
3: in kleinen Gruppen vereinzelt [21]
Mai-Juni [14]
CAVE: Heute wegen der Giftigkeit der Pflanze bis auf die Anwendungen der Homöopathie obsolet [18]. In Deutschland ist die medizinische Anwendung von Aristolochia-Arten wegen ihrer Giftigkeit seit 1981 verboten [18]. Die potentiell nephrotoxische, mutagene und karzinogene Aristolochiasäure wurde in allen Arten der Aristolochiaceae-Familie gefunden [24]. Aristolochia gilt als nierenschädigend und auch als Abtreibungsmittel mit großen Risiken [4][24]. Die innerliche Anwendung gilt als unsicher [18], Vergiftungserscheinungen sind Erbrechen, Gastroenteritis, Krämpfe, Pulsbeschleunigung, Blutdrucksenkung, Tod im Koma durch Atemlähmung [11], bei Tieren kann Appetitabnahme, Verstopfung und Nierenentzündung auftreten [11]. Mit Aristolochiasäure verunreinigtes Mehl gilt heute als der seit vielen Jahren gesuchte Auslöser der 1956 in Bulgarien erstmals beschriebenen Balkan-Nephropathie, einer ausschließlich in ländlichen Gegenden des Balkans vorkommenden Krankheit, die zu einer typischen Form des Nierenversagens führt [24]. In den betroffenen Regionen findet sich die Osterluzei als häufiges Unkraut in den Getreidefeldern, vermutlich werden die ebenfalls giftigen Samen der Pflanze zusammen mit den Getreidekörnern geerntet und gemeinsam mit diesen zu Mehl verarbeitet, was häufig noch in den Dorfmühlen geschieht; von diesen beziehen die meist bäuerlichen Familien das mit der Aristolochiasäure kontaminierte Mehl, welches sie zu Brot und Ähnlichem weiterverarbeiten. Durch den Verzehr der verunreinigten Backwaren entsteht eine schleichende Vergiftung, die sich schließlich in dem beschriebenen Krankheitsbild äußert, welches durch ein fortschreitendes Nierenversagen ohne den damit sonst meist einhergehenden Bluthochdruck gekennzeichnet ist. Darüber hinaus haben die Betroffenen ein ungewöhnlich hohes Risiko, an Krebserkrankungen der oberen Harnwege zu erkranken [24]
CAVE(max): In Tierversuchen, bei denen hohe Dosen dieser Substanzen verabreicht wurden, erlitten die Tiere neben schwerwiegenden Nephrosen auch Atrophien der Milz und des Thymus, Magengeschwüre, gefolgt von Hyperplasien und Hyperkeratosen; außerdem ist Aristolochiasäure ein ausgesprochenes Kapillargift und verursacht im Magendarmkanal, und zwar auch nach parenteraler Zufuhr ähnliche Wirkungen wie Colchicin; zudem führt es zu Hyperämie im kleinen Becken, zu Menorrhagie und es kann bei Trächtigkeit bzw. Schwangerschaft auch Abort herbeiführen. Resoptiv wirkt Aristolochiasäure zentral erst erregend, dann lähmend [24]
CAVE(cz): Aristolochia clematitis und weitere Aristolochia-Arten enthalten hochgiftige Aristolochiasäure I-IV mit starker mutagener und karzinogener Aktivität [11][18][24]. Aristolochiasäure kann eine Tumorbildung auslösen, wenn 12 Monate lang 0,1 mg/kg KG zugeführt wird [11]. Die Droge und aristolochiasäurehaltige Präparate wurden 1982 durch das Bundesgesundheitsamt wegen nierenschädigender Wirkung (intertsitielle Fibrose [18]) und möglicher krebserregender und erbgutschädigender Risiken aus dem Handel genommen [4][11], ausgenommen sind homöoapthische Dilutionen ab einer Potenz D11 [4][24]
[++] Volksmed.:
[+] Volksmed.:
[EbM/Monographien]:
[Volksmed.]:
[Hom]:
Benjamin Busse
04.01.2026