Amaranthaceae
Chenopodium
Chenopodium quinoa WILLD.
Chenopodium album ssp. quinoa (WILLD.) KUNTZE, Chenopodium album var. quinoa (WILLD.) ALEF., Chenopodium album var. quinoa (WILLD.) KUNTZE, Chenopodium hircinum var. quinoa (WILLD.) AELLEN, Chenopodium atriplicis L.f., Chenopodium ccoyto TORO TORR., Chenopodium ccuchi-huila TORO TORR., Chenopodium chilense PERS., Chenopodium guinoa KROCK., Chenopodium hircinum ssp. milleanum (AELLEN) AELLEN, Chenopodium leucospermum SCHRAD., Chenopodium punctulatum SCOP., Chenopodium purpurascens B.JUSS. ex JACQ., Chenopodium quinoa ssp. milleanum AELLEN
Gänsefuß
Quinoa
Andenhirse (ger.), Chisiya mama (que.), Inkakorn (ger.), Inkareis (ger.), Mother of all grains (engl.), Perureis (ger.), Quinoa (engl.), Quinua (ger.), Reismelde (ger.), Reisspinat (ger.)
höhere Lagen [24], Temperaturbereich -8°C bis +38°C, ideal 15-20 °C [24], Niederschlag 300-1000 mm/Vegetationsperiode (vgl. in Deutschland mittlere Nierderschlagmenge/Jahr 830 mm bzw. 600-1000 mm) [24][25], trocken-mäßiger Standort [25], trockener Standort (während der Samenreife) [24], widerstandsfähig (Trockenheit, Hitze, Kälte; Vorsicht jedoch vor Frost während der Blütezeit: Mittsommerfröste während der Blüte, die in den Anden häufig vorkommen, führen zur Sterilisierung des Pollens) [24]; Fruchtwechsel wird im heimischen Verbreitungsgebiet in den Anden verwendet (Fruchtwechsel üblich auch bei Kartoffeln, Getreide und Hülsenfrüchten, einschließlich Lupinus mutabilis) [24]
gut durchlässiger Boden [24], trockener Boden [24], trocken-mäßiger Boden [25], nährstoffarmer Boden [24], stickstoffhaltiger Boden (170-200 kg/ha) [24], calciumhaltiger Boden [24], salzhaltiger Boden (mäßiger Salzgehalt) [24], pH 4.5-9.0 [24], v.a. pH 6.0-8.5 [24], sandiger bis sandig-lehmiger Boden [24], Vorsicht (keine Staunässe) [24]
Therophyt (einjähriges Kraut) [24]
Quinoa enthält mehr Eiweiß und Mineralstoffe als viele Getreidesorten. Vitamingehalt und Nährwert von Quinoa sind ungefähr dem von Reis vergleichbar. Quinoa enthält jedoch deutlich mehr Mineralien, mehr Eiweiß und eine größere Menge mehrfach ungesättigte Fettsäuren (dafür weniger Kohlenhydrate). Der Verzehr von 100 g Quinoa deckt etwa ein Drittel des empfohlenen Tagesbedarfs an Eisen und Magnesium. [24]
Botanisch ist Quinoa ein Pseudogetreide, zählt zu den Fuchsschwanzgewächsen und ist folglich mit dem Spinat, Amaranth oder den Rüben verwandt [24]
Der mit Quinoa nahe verwandte und ähnlich verwendete Chenopodium pallidicaule (Cañihua) wird bis in 4550 m Höhe angebaut [24]
Die Blätter und Stängel aller Arten der Gattung Chenopodium und verwandter Gattungen der Familie Amaranthaceae, einschließlich Quinoa, enthalten einen hohen Anteil an Oxalsäure [24]
Im Jahr 2013 wurde Quinoa durch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dazu erklärt, aufgrund ihrer spezifischen Vorteile den Hunger auf der Welt, gerade in Zeiten des Klimawandels, zu bekämpfen [24].
Aufgrund der zunehmenden Beliebtheit und des zunehmenden Konsums in Nordamerika, Europa und Australasien haben sich die Preise für Quinoa-Ernte zwischen 2006 und 2014 verdreifacht [24]. Durch die steigende Nachfrage und dem folglich ansteigenden Weltmarktpreis kommt es zu steigenden Einkünften der Quinoa-Bauern. Andererseits können sich hierdurch auch immer weniger Bolivianer und Peruaner das stark verteuerte Lebensmittel leisten und müssen auf billigere, industriell verarbeitete Lebensmittel ausweichen [24]. Durch die Ausweitung der Produktion außerhalb des Andenhochlandes, in dem Quinoa heimisch ist, sank der Preis ab Anfang 2015 stark und blieb jahrelang niedrig. Von 2018 bis 2019 ging die Quinoa-Produktion in Peru um 22 % zurück. Manche bezeichnen dies als „Quinoa-Pleite“, weil der Preisverfall für Landwirte und Industrie verheerende Folgen hatte. [24]
Der Ernteertrag in der Andenregion (oft etwa 3 t/ha bis 5 t/ha) ist vergleichbar mit Weizenerträgen. In den USA wurden die Sorten nach einheitlichem Reifegrad ausgewählt und maschinell mit herkömmlichen Kleinkornmähdreschern geerntet. [24]
Innerhalb der Art Chenopodium quinoa kommen im Kulturland wild wachsende Sippen als "Unkräuter" vor, die „Ajara“ (oder auch „Ayaras“) genannt werden und nach morphologischen Kriterien als Unterart Chenopodium quinoa ssp. milleanum oder Varietät Chenopodium quinoa var. melanospermum gefasst wurden. Diese zeichnen sich u.a. durch die schwarz gefärbten Samenhüllen aus. Tatsächlich erweist sich aber die Verwandtschaft und Ähnlichkeit eher geographisch als zwischen Kultur- und Wildpflanzen determiniert. Die Wild- und die Kulturpflanzen der chilenischen Küstenebene sind untereinander ähnlicher als beide zu den jeweiligen Unkraut- und Kultursippen der Anden. Diese Zweiteilung der Art Quinoa in eine Hochland- und eine Tieflandform wurde durch die genetischen Analysen klar bestätigt. Die chilenische Tieflandsippe, regional als „Quingua“ bezeichnet, ist durch die Morphologie des Blütenstands und die Form des Blattrands von derjenigen des Altiplano abgrenzbar. [24]
Genetische und morphologische Daten gehen auf einen Ursprung des gesamten kultivierten Quinoa-Artenaggregats auf Nordamerika zurück, mit anschließender Ausbreitung nach Südamerika. In der (erschlossenen) Ursprungsheimat des Quinoa wurde früher eine weitere, heute ausgestorbene Sippe kultiviert, die als Chenopodium berlandieri ssp. jonesianum bezeichnet wird. Die wild wachsenden, als Chenopodium berlandieri bezeichneten Pflanzen Südamerikas sind Quinoa noch ähnlicher, so dass bei einigen Unkrautsippen die Zugehörigkeit zur jeweiligen Art unsicher ist. Die Daten deuten darauf hin, dass sich zunächst Chenopodium berlandieri, oder eine sehr ähnliche Stammsippe, von Nord- nach Südamerika ausgebreitet hat und diese zunächst wild besammelt und später domestiziert worden ist, vermutlich mindestens zweimal, unabhängig im Hoch- und im Tiefland. Die Art wurde als Kulturpflanze von den präkolumbischen indianischen Kulturen weiter verbreitet. Diese Ausbreitung wird vor allem mit dem Reich der Inka in Verbindung gebracht, ging aber weit darüber hinaus, so etwa durch das Volk der Mapuche auf die Insel Chiloé. Nach der Eroberung durch die Spanier wurde die Kultur allerdings stark zurückgedrängt und regional sogar ganz aufgegeben, so etwa in der Gegend um Bogotá in Kolumbien oder der Provinz Córdoba in Argentinien. [24]
Als Ursprungsregion im Altiplano, mit der höchsten Vielfalt an Sorten und Landrassen, gilt die Region um den Titicacasee. Die tatsächliche Domestikation der Art nachzuweisen ist allerdings schwierig, da die Samen vorher vermutlich lange Zeit von Wildpflanzen gesammelt wurden und Wild- und Kulturpflanzen von Quinoa (und noch mehr der nahe verwandten Cañihua) sich bis heute recht ähnlich sind. Die Gegend um den Titicacasee ist diejenige mit den frühesten Nachweisen von Quinoa (mit bei einem Brand verkohlten Körnern aus Chiripa), deren Alter auf etwa 3500 Jahre abgeschätzt wird. [24]
D
[Lebensmittelpflanze]:
[Lebensmittelpflanze, Gemüsepflanze]: Die mineralstoffreichen Blätter werden als Gemüse oder Salat verzehrt [24]
[Kulturpflanze]: In den Anden ist sie seit etwa 5000 Jahren als Kulturpflanze bekannt [24]. Die Bitterkeit der Samen im ungeschälten Zustand (Saponine) wirkt sich positiv auf den Anbau aus, da sie Vögel abschreckt und die Pflanze daher nur minimalen Schutz benötigt [24]
[Chemietechnische Nutzung]: In Südamerika werden die Saponine der Samenschalen vielfältig eingesetzt, unter anderem als Waschmittel für Kleidung [24]
Benjamin Busse
13.10.2025