Cola nitida (VENT.) SCHOTT & ENDL. (Großer Kolabaum)
Zusammenfassung
Nomenklatur & Systematik
- Familie
Malvaceae
- Gattung (botanisch) / Sektion
Cola
- Artname (botanisch)
Cola nitida (VENT.) SCHOTT & ENDL.
- Synonyme (botanisch)
Bichea nitida (VENT.) FARW., Braxipis nitida (VENT.) RAF., Sterculia nitida VENT.; heterotypisch: Cola alba A.CHEV., Cola astrophora WARB., Cola vera K.SCHUM., Sterculia cola PERS.
- Gattung (deutsch)
Kolabaum
- Artname (deutsch)
Großer Kolabaum
- Andere Artnamen & Volksnamen (international)
Bitter kola (engl.), Cola (engl.), Gbanja-Kola (ger.), Kola (engl.), Kola nut (engl.), Kolanuss (ger.)
Geobotanik & Ökologie
- Geographische Herkünfte (H) / Verbreitungen (V) / Anbaugebiete (A)
- H: Westafrika [4][18], Westafrika (Ghana, Nigeria, Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste) [1][18][24], Westafrika (Togo, Benin, Gambia, Senegal, Guinea, Golf von Guinea-Inseln) [1], Nordwestafrika (Mali) [1], Zentralafrika (Kamerun, Gabun, DR Kongo, Republik Kongo) [1]
- V: Westafrika (Guinea-Bissau) [1], Zentralafrika (Zentralafrikanische Republik) [1], Südostafrika (Komoren) [1], Südasien (Sri Lanka) [1], Südostasien (Vietnam) [1], nördl. Südamerika (Trinidad-Tobago) [1], Mittelamerika-Karibik (Dominikanische Republik, Windward-Inseln) [1]
- A: Tropen (Südamerika, Asien) [18], trop. Afrika [24], Südasien (Indien) [24], Mittelamerika-Karibik (Jamaika) [24], Südamerika (Brasilien) [24], Ozeanien-Polynesien (Hawaii) [24]
- Biotoptypen
- -
- Standortfaktoren (Ökofaktoren)
- Licht
- -
- Temperatur
9: Sehr warm [25]
- Wind
- -
- pH-Klasse
- -
- Stickstoff
7: Stickstoffreich [25]
- Salz
- -
- Soziol. Pflanzencharakteristik
- Lebensform
Phanaerophyt (Baum) [24]
- Blattausdauer
Immergrün (zu allen Jahreszeiten mit Blättern) [24]
- Messtischblattfrequenz Mitteleuropas
- -
- Dominanz
- -
- Erntezeit
- -
Pharmazie & Pharmakologie
- Giftigkeit / Risikopotential
- 0: wenig giftig / ungenießbar [11]
- Nebenwirkungen / Risikobemerkungen
-
CAVE: Nebenwirkungen wie Einschlafstörungen, nervöse Unruhe und Magenbeschwerden können wie beim Coffein auftreten [4]
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CAVE(max):
-
[Erste Hilfe]: Bei starkem Erregungszustand resorptionsvermindernde Maßnahmen durch Kohle-Pulvis (Aktivkohle) oder erbrechen lassen mit Natriumsulfat (Glaubersalz) [11][32]
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- Nutzbare Pflanzenteile
- [EbM/Monographien]: Von der weißen Samenschale befreiter getrockneter Samenkern/"Kolanüsse" (Colae semen, früher: Semen Colae; = Embryo und 2 große Keimblätter/Endospermteile) [Komm.E+, PhEur] [4][18]
- [Volksmed.]: Frische Samen ("Kolanüsse") [4][11][18]
- [Genussmittelpflanze, Aromapflanze]: Samen [24]
- [Färbepflanze]: Samen [24]
- [Chemietechnische Nutzung]: Samen [24], Hülsen [24]
- [Materialtechnische / bautechnische Nutzung]: Holz [24]
- [Brennmaterial / Energielieferant]: Holz [24]
- [Futterpflanze]: Hülsen [24]
- Pharmakologische Studienergebnisse
- 1 l Cola enthält 90-200 mg Coffein [4], Colamin (Coffein-Gerbstoff-Komplex) erhöht nicht den Herzschlag, hat eine geringere Erhöhung des Blutdrucks und eine schwächere diuretische Wirkung als Kaffee [4]
- Coffein hemmt Adenosinrezeptoren und die Phosphodiesterase [18]; es wirkt ZNS-anregend [4][18] bei geistiger und körperlicher Erschöpfung [4], beeinflusst das Kreislaufsystem [18], besitzt eine positiv inotrope Wirkung, die zu beschleunigter Herztätigkeit (evtl. Tachykardie) und erhöhter Herzkontraktion führt [18] (günstig für Patienten mit niedrigem Blutdruck [18]); Kaffee steigert die Magensaftsekretion und Darmperistaltik [18]; Kaffee wirkt außerdem atmungsanregend und Körpertemperatur erhöhend ab 100-300 mg Coffein [4]; Ob Coffein in Schmerzmitteln deren Wirkung verstärkt oder eher zum Schmerzmittelmissbrauch führt, wird heute unterschiedlich beurteilt [4]
- Coffein ist ein unspezifischer/kompetitiver Antagonist am Adenosin-Rezeptor (im ZNS, etwa gleich starker Blockierung der Adenosinrezeptoren A1 (Bronchien, Herz, u.a.), A2 (Dilatation zerebraler Gefäße) und A3), unspezifische Hemmung der Phosphodiesterase (welche sonst die Second-Messenger cAMP und cGMP zu AMP und GMP abbaut, durch Hemmung kommt es zur Erhöhung der intrazellulären cAMP-Konzentration und Bronchodilatation (Bronchospasmolyse)), bronchodilatierend, ZNS-stimulierend, blutdrucksteigernd, Herzfrequenz steigernd, diuretisch, Darmperistaltik steigernd [Pharma]
- Die Resorption von Koffein im Gastrointestinaltrakt erfolgt rasch und vollständig, die Bioverfügbarkeit liegt zwischen 90-100 %, die maximale Plasmakonzentration wird bereits 15-20 min nach der Aufnahme des Koffeins erreicht, Koffein kann die Blut-Hirn-Schranke überschreiten und erreicht nahezu alle Organe; Die Plasmahalbwertszeit beträgt bei gesunden Erwachsenen etwa 2,5-5 Std, eine erkennbare Wirkung auf das ZNS ab etwa 150-200 mg, in dieser Konzentration beeinflusst das Koffein v.a. den sensorischen Teil der Hirnrinde, in diesem Fall kommt es zu einer Erhöhung des Gehirntonus, wodurch das Konzentrationsvermögen erhöht wird und die Speicherkapazität und die Fixierung erleichtert wird, die Stimmung kann sich sogar bis zu leichter Euphorie steigern [24]
- Beim Menschen wird Koffein zu anderen Methylxanthinen wie Paraxanthin, Theobromin oder Theophyllin demethyliert, durch weitere Verstoffwechselung entstehen Monomethylxanthin, Urate und Uracil-Derivate, die überwiegend renal ausgeschieden werden; weniger als 2% des Koffeins verlassen den Körper unverändert; Einige Produkte haben einen natürlichen Koffeingehalt, wie z.B. Kaffee (eine Tasse enthält ca. 50-100 mg), Schwarzer Tee (eine Tasse kann bis zu 50 mg enthalten), Kakao (enthält 4-9 mg/100 g TG) und Schokolade (bei Vollmilchschokolade sind es in etwa 15 mg/100 g Schokolade) [24]; Koffein ist aufgrund seiner ergogenen Wirkung oft auch eine Zumischung in vielen Erfrischungsgetränken und Energy-Drinks [25]
- Theobromin ist ebenfalls ein unspezifischer/kompetitiver Antagonist am Adenosinrezeptor (im ZNS) und hemmt ebenso unspezifisch die Phosphodiesterase (welche sonst die Second-Messenger cAMP und cGMP zu AMP und GMP abbaut); durch Hemmung kommt es zur Erhöhung der intrazellulären cAMP-Konzentration und Bronchodilatation (Bronchospasmolyse)), sowie zur hustenreizstillenden Wirkung [24][25]
- Catechine bewirken eine natürliche TNF-alpha-(Tumornekrosefaktor)-Hemmung [Pharma]
- Vergleiche zu ähnlichen Pflanzen
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[Geobotanik]:
-
[Botanik]:
- Die Samen von Cola nitida zerfallen nach Entfernen der Samenschale in 2 große unregelmäßige, rötliche Endospermanteile/Kotyledonen (Nüsse), bei Cola acuminata dagegen in 4-7 Endospermanteile/Kotyledonen [18]
-
[Geschichte]:
- Auf Expeditionen im 19. Jh. wurde die Aufmerksamkeit auf die Kolanüsse gelenkt, welche die Strapazen erleichterte [11]
-
[Coffein]:
-
[Wirkung]:
- Kolasamen wirken ähnlich wie andere coffeinhaltige Produkte, z.B. Kaffee, Tee, Guarana und Maté [18]
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- Standortbesonderheiten (biochemisch / geoökochemisch)
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- Der Koffeingehalt der Kolanüsse ist schwankend [25]
- Konservieren & Aufbewahren
- -
Medizin & Rezepturen
- Evidenzbasierte Medizin EbM / Monographien (Evidenzgrad I-IV)
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[++] EbM/Monographien (Fertigarzneimittel):
-
[+] EbM/Monographien (Fertigarzneimittel):
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[+] EbM/Patientenstudien (Samen):
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- Pharm. / labor. Studienergebnisse (Evidenzgrad V-VI)
- Monographien (obsolet)
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- Traditionelle Volksmedizin
- Homöopathie
- [+] Hom:
- Vitalität: Schwäche nach körperlicher Überanstrengung [4]
- [+] Hom:
- Anthroposophische Medizin
- -
- Wechselwirkungen
- CAVE(int):
-
Ob Coffein in Schmerzmitteln deren Wirkung verstärkt oder eher zum Schmerzmittelmissbrauch führt, wird heute unterschiedlich beurteilt [4]
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Coffein verstärkt die Wirksamkeit folgender Arzneimittel:
-
Coffein verstärkt bei gleichzeitiger Gabe das Abhängigkeitspotential von Ephedrin [32]
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Coffein hemmt die Wirksamkeit folgender Arzneimittel:
- Sedativa (z.B. Barbiturate, Antihistaminika) [32]
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Coffeinwirkung wird verlängert durch folgende Substanzen (durch Verminderung der renalen Ausscheidung von Coffein und dem Metaboliten Paraxanthin):
- Fluorchinolone (Antibiotika) wie Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin [32]
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Coffeinwirkung wird verlängert durch folgende Substanzen (durch Verminderung des Coffeinabbaus in der Leber):
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Coffeinwirkung wird gehemmt durch folgende Substanzen (durch Beschleunigung des Coffeinabbaus in der Leber):
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- CAVE(int):
- Arzneimittel & Fertigpräparate (Beispiele)
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- Rezepte - Essen & Trinken
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Nutzpflanzenkunde & Ethnobotanik
- Nutzung nichtmedizinisch
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[Genussmittelpflanze]:
- Anregendes Erfrischungsgetränk aus künstlichen Cola-Aromen [4][18][25]
- Die Samen ("Nüsse") werden zur teils immer noch zur Herstellung von Cola-Getränken verwendet (weitere Zutaten sind Gewürzöle, andere Aromastoffe (manchmal auch die Blätter des Baumes), Karamell als Farbstoff, Süßungsmittel, Phosphor- oder Zitronensäure und Kohlendioxid für die Kohlensäure) [24]
- Die Samen ("Nüsse") von Cola nitida werden auch als Hauptzutat für Schokoladen mit hohem Schmelzpunkt verwendet [24]
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[Färbepflanze]: Die Nüsse werden zum Färben verwendet [24]
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[Chemietechnische Nutzung]:
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[Materialtechnische / bautechnische Nutzung]: Das Holz findet Verwendung im Bauwesen, Bootsbau, Möbelbau, Tischlerarbeiten, Musikinstrumentenbau, Gebrauchsgegenständen und Schnitzereien [24]
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[Brennmaterial / Energielieferant]: Das Holz eignet sich als Brennholz [24]
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[Futterpflanze]: Die Hülsen können bis zu 60 % des Maises im Geflügelfutter ersetzen [24]
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- Ethnobotanische Bedeutung
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[Ethnobotanische Nutzung]: Blätter, Zweige, Rinde, Blüten und Nüsse finden in der traditionellen afrikanischen Medizin Anwendung [24]
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[Rauschmittel (nichthalluzinogen) / Aphrodisiakum]: Frische Samen/"Kolanüsse" werden in Westafrika als anregende Koffeinquelle gekaut; beim Kauen der ganzen Samen haben sie einen bitteren Geschmack, hinterlassen aber einen süßen Nachgeschmack, der den Geschmack und die Süße anderer Speisen verstärkt. Die Nüsse sollen Müdigkeit lindern, Heißhungerattacken vorbeugen, die geistige Aktivität steigern und das Schlafbedürfnis reduzieren [24]
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[Religiöse Pflanze / Zeremonien]: Die Nüsse finden Verwendung bei Zeremonien [24]; auch andere Teile des Baumes werden bei Ritualen, wie Hochzeiten, Namensgebungszeremonien, der Amtseinführung von Dorfvorstehern, Beerdigungen und Opferzeremonien verwendet [24]
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- Ethnobotanische Bedeutung (obsolet)
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Quellenangaben
- [1] Royal Botanic Gardens (Kew) (ff): Plants of the World Online; https://powo.science.kew.org/
- [4] Schönfelder I. & Schönfelder P. (2011): Das neue Handbuch der Heilpflanzen; Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart
- [11] Roth L., Daunderer M., Kormann K. (2008): Giftpflanzen, Pflanzengifte; Nikol Verlags-GmbH
- [15] Pahlow M. (2006): Das große Buch der Heilpflanzen; Weltbild Verlag, München
- [18] Van Wyk B.E., Wink C., Wink M. (2004): Handbuch der Arzneipflanzen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
- [24] Wikipedia (ff): Die freie Enzyklopädie / The Free Encyclopedia; https://www.wikipedia.org/
- [25] Busse B. (ff): Eigene Darstellung; PlantaMedia
- [32] DocCheck Flexikon (ff): Die Medizin-Community für Ärzte, Apotheker ...; http://www.doccheck.com/de/
- Autoren
Benjamin Busse
- Letzte Änderung
31.12.2025