Cinchona calisaya WEDD. (Kalisaya-Baum)
Nomenklatur & Systematik
- Familie
Rubiaceae
- Gattung (botanisch) / Sektion
Cinchona
- Artname (botanisch)
Cinchona calisaya WEDD.
- Synonyme (botanisch)
Cinchona calisaya var. vera WEDD., Quinquina calisaya (WEDD.) KUNTZE, Cinchona amygdalifolia WEDD., Cinchona australis WEDD., Cinchona carabayensis WEDD., Cinchona delondriana WEDD., Cinchona euneura MIQ., Cinchona forbesiana HOWARD ex WEDD., Cinchona gammiana KING, Cinchona gironensis MUTIS, Cinchona hasskarliana MIQ., Cinchona josephiana (WEDD.) WEDD., Cinchona ledgeriana (HOWARD) BERN.MOENS ex TRIMEN, Cinchona officinalis auct. mult., Cinchona pahudiana HOWARD, Cinchona peruviana HOWARD, Cinchona thwaitesii KING, Cinchona weddelliana KUNTZE, Quinquina carabayensis (WEDD.) KUNTZE, Quinquina ledgeriana (HOWARD) KUNTZE
- Gattung (deutsch)
Chinarindenbaum
- Artname (deutsch)
Kalisaya-Baum
- Andere Artnamen & Volksnamen (international)
Gelbe Königsrinde (ger.), Kalisaya (ger.)
Geobotanik & Ökologie
- Geographische Herkünfte (H) / Verbreitungen (V) / Anbaugebiete (A)
- ▪ H: westl. Südamerika (Bolivien, Peru) [1][15][24], nördl. Südamerika (Ecuador) [15]
- ▪ V: Mittelamerika (Guatemala) [1], Westafrika (Golf von Guinea-Inseln) [1], Zentralafrika (Zaïre) [1], Südasien (Indien) [1], Ozeanien-Mikronesien (Karolinen) [1]
- ▪ A: Südasien (Indien-Westbengalen) [24], Zentralafrika (Kongobecken) [24]
- Biotoptypen
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- Standortbedingungen
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- Bodentypen / Bodenbedingungen
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- Standortfaktoren (Ökofaktoren)
- Licht
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- Temperatur
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- Feuchtigkeit
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- Wind
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- pH-Klasse
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- Stickstoff
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- Salz
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- Soziol. Pflanzencharakteristik
- Blattausdauer
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- Messtischblattfrequenz Mitteleuropas
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- Dominanz
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- Blütezeit
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- Erntezeit
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Pharmazie & Pharmakologie
- Nebenwirkungen / Risikobemerkungen
- ▪ CAVE: Man muss unterscheiden zwischen der Chinarinde und dem reinen Chinin, denn die Chinarinde in galenischen Zubereitungen und therapeutischen Dosen ist ohne Nebenwirkngen, doch gegenüber dem Chinin ist Vorsicht geboten [15]: Chinin kann Fieber und erhöhte Blutungsneigung verursachen [4], sowie zu Bradykardien und QT-Zeitverlängerung führen [25]
- ▪ CAVE(al): Chinin kann zu allergischen Hautreaktionen führen [4]
- ▪ CAVE(max): In hoher Dosierung vergleichsweise hohe Nebenwirkungen [4]
- Nutzbare Pflanzenteile
- Pharmakologische Studienergebnisse
- ▪ Chinin wirkt auf verschiedenen Plasmodium-Arten, in dem es in die DNA und Stoffwechsel der Blutschizonten interkaliert [18]
- ▪ Verschiedene synthetische und wirksamere Malariamittel haben Chinin-Präparate ersetzt, doch mehrere Plasmodium-Formen haben inzwischen Resistenzen gegen diese synthetischen Mittel entwickelt [14][18]
- ▪ Chinidin hemmt die Na+-Kanäle und wird deshalb als Medikament gegen tachykarde Herzrhythmusstörungen verwendet [18]
- ▪ China-Alkaloide wirken in hohen Dosen auf das Nervensystem, in niedrigen Dosen positiv auf die Rekonvaleszenz des Körpers [14]
- ▪ Catechine bewirken eine natürliche TNF-alpha-(Tumornekrosefaktor)-Hemmung [Pharma]
- Vergleiche zu ähnlichen Pflanzen
- ▪ Einige Cinchona-Arten und Hybriden werden in tropischen Gebieten zur Gewinnung des vor allem als Malariamittel bekannten Chinins weltweit angebaut [24]
- ▪ In den Apotheken/ im Handel erhält man ockergelbe-hellbraune (Cinchona calisaya), gelbe (Cinchona officinalis) und rote Chinarinde (Cinchona pubescens) [14][25]
- ▪ Cinchona calisaya liefert die bekannteste der gelben Handelssorten der Chinarinde (Königsrinde, wertvollste = Monopolcalisaya aus Bolivien) [24]
- ▪ Oft werden auch Plantagen von Cinchona calisaya als "Cinchona officinalis" bezeichnet [24]
- ▪ Nicht alle Cinchona-Arten enthalten Chinin gleichermaßen. Die Niederländer versuchten auf Java Cinchona calisaya anzubauen, während die Engländer in Indien versuchten, Cinchona succiruba zu kultivieren. Bei beiden Arten zeigte es sich jedoch, dass ihre Rinde den Wirkstoff nicht in einem ausreichenden Maße enthält, um eine Extraktion wirtschaftlich zu rechtfertigen. Cinchona ledgeriana dagegen besitzt eine Rinde, die durchschnittlich 13 % Chinin enthält. Sie wurde nach dem fehlgeschlagenen Versuch mit Cinchona calisaya von den Niederländern auf Java in Plantagen angebaut. Bei Cinchona calisaya und Cinchona ledgeriana handelt es sich allerdings um Synonyme [24]
- ▪ Das aus der Rinde gewonnene Chinin hatte bis nach dem Zweiten Weltkrieg große wirtschaftliche und medizinische Bedeutung. Das Kina-Büro wachte seit 1922 über die Kontrolle und Förderung der Chinarindenproduktion, der Verteilung der Kontingente auf die Mitgliedsstaaten sowie die Aufrechterhaltung der Preisstabilität. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden jährlich 1500 Tonnen Chinin produziert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Vernichtung von Chinarindenbaumplantagen zum Kriegsmittel. So fällte die japanische Armee zum Beispiel 20.000 Hektar der Chinarindenplantagen auf Java, sodass sich die Suche nach synthetisch hergestellten Ersatzstoffen verstärkte. Das ähnlich wirkende, aber mit schweren Nebenwirkungen einhergehende Atebrin war bereits 1928 durch die deutsche Firma I.G. Farben hergestellt worden. Chloroquin und Primaquin waren die ersten synthetisch erzeugten Wirkstoffe gegen die Malaria, die das natürlich erzeugte Chinin seit dem Zweiten Weltkrieg ablösten [24]
- ▪ Der Name "Chinarindenbaum" hat nichts mit China zu tun und stammt wahrscheinlich vom Quechua-Wort kina-kina (auch quina-quina) „Rinde der Rinden“ als Bezeichnung für die als Heilmittel gebrauchte Rinde vom Roten Chinarindenbaum [24]
- Standortbesonderheiten (biochemisch / geoökochemisch)
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- Konservieren & Aufbewahren
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Medizin & Rezepturen
- Evidenzbasierte Medizin EbM / Monographien (Evidenzgrad I-IV)
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▪ [++] EbM/Monographien:
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▪ [+] EbM/Monographien:
- ►Herz: Herzrhythmusstörungen [4]
- ►Infektion: Malaria [4]
- ►Magen: Verdauungsbeschwerden [4], Völlegefühl [4], speichelflussfördernd [4], magensaftfördernd [4]
- ►Magen-Darm: Verdauungsstörungen [4], Blähungen [4], gallenflussfördernd [4]
- ►Nerven-PNS: nächtliche Wadenkrämpfe [4]
- ►Vitalität: Kräftigungsmittel (in Rekonvaleszenz) [4]
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- Pharm. / labor. Studienergebnisse (Evidenzgrad V-VI)
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- Traditionelle Volksmedizin
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- Homöopathie
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- Anthroposophische Medizin
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- Wechselwirkungen
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- Darreichungsformen & Zubereitungen
- ▪ [EbM/Monographien]:
- ►Bestandteil mancher Magentees [15]
- ▪ [EbM/Monographien]:
- Arzneimittel & Fertigpräparate (Beispiele)
- Medizinische Rezepturen
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- Rezepte - Essen & Trinken
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Nutzpflanzenkunde & Ethnobotanik
- Nutzung nichtmedizinisch
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- Nutzung nichtmedizinisch (obsolet)
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- Ethnobotanische Bedeutung
- ▪ [Symbolpflanze]: Der Chinarindenbaum findet sich auf dem Wappen Perus. Der dort als Quina bekannte Baum, auch aus der Quechua-Sprache übernommen, steht in einem einzelnen Feld oben heraldisch links im Wappen und soll die Natur und Pflanzenwelt Perus symbolisieren [24]
- Ethnobotanische Bedeutung (obsolet)
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Quellenangaben
- [1] Royal Botanic Gardens (Kew) (ff): Plants of the World Online; https://powo.science.kew.org/
- [4] Schönfelder I. & Schönfelder P. (2011): Das neue Handbuch der Heilpflanzen; Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart
- [14] Hirsch S. & Grünberger F. (2006): Die Kräuter in meinem Garten; Freya Verlag, Linz
- [15] Pahlow M. (2006): Das große Buch der Heilpflanzen; Weltbild Verlag, München
- [18] Van Wyk B.E., Wink C., Wink M. (2004): Handbuch der Arzneipflanzen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
- [24] Wikipedia (ff): Die freie Enzyklopädie / The Free Encyclopedia; https://www.wikipedia.org/
- [25] Busse B. (ff): Eigene Darstellung; PlantaMedia
- Autoren
- Letzte Änderung
24.01.2025