Cucurbitaceae
Citrullus
Citrullus colocynthis (L.) SCHRAD.
Cucumis colocynthis L.; heterotypisch: Citrullus colocynthis ssp. insipidus (PANG.) FURSA, Citrullus colocynthis ssp. stenotomus (PANG.) FURSA, Citrullus colocynthoides PANGALO, Citrullus pseudocolocynthis M.ROEM., Colocynthis officinalis SCHRAD., Colocynthis vulgaris SCHRAD., Cucumis colocynthis L., Cucumis bipinnatifidus WIGHT ex NAUDIN, Cucumis colocynthoides PI.SAVI, Cucurbita colocyntha LINK
Zitrulle
Koloquinte
Abu Jahl's melon (turk.), Alexandrienappel (ger.), Alhandal (arab.), Apfel von Alexandria (ger.), Bitter apple (engl.), Bitter cucumber (engl.), Bitterapfel (ger.), Bittergurke (engl.), Bitterkürbis (ger.), Colocynth (engl.), Coloquinte (ger.), Coloquinthe (franz.), Coloquintide (ital.), Egushi (afrikaan.), Egusi (afrikaan.), Eliasapfel (ger.), Koloquintengurke (ger.), Koloquintenkürbis (ger.), Morapfel (ger.), Panzerbeere (ger.), Pomaquinte (ger.), Purgiergurke (ger.), Teufelsapfel (ger.), Vine of Sodom (engl.), Wild gourd (engl.), Wilder Kürbis (ger.), Windapfel (ger.), Wüstenwächter (ger.)
Gebirge (Höhe bis 1200 m) [24], Gebirge (Höhe bis 1500 m) [24], Bergregionen [25], Flachland [25], Küstengebiete/Meeresküsten (sandig) [24], Wüstengebiete [11], Wüsten [4][15][24], Steppen [15], Flussufer [24], Flussniederungen [24], Straßenränder [24], Wegränder [4], Subtropen [24][25], Tropen [15][24], Tropen (aride Zone) [25]
Juli-August [24]
CAVE: Bereits in geringer Dosis der Frucht und ihrer Zubereitungen sind nach Einnahme starke Schleimhautreizungen mit Entzündungen im Magendarmtrakt und blutigen Durchfällen [4][11], sowie Reizungen der Nieren und der Blase zu erwarten [4]; eine nur teilweise Resorption kann zu einer Nierenschädigung und einer hämorrhagischen Cystitis führen [11]. Koloquinten sind ein drastisches Abführmittel mit schmerzhaften flüssigen bis schleimigen Darmentleerungen [4][15]; die allopathische Anwendung als Abführmittel ist wegen der Nebenwirkungen abzulehnen [15]. Die Früchte werden wegen ihrer Giftigkeit und unerwünschten Nebenwirkungen nicht mehr verwendet [18]. Cucurbitacine treten außerdem in die Muttermilch über, und auch eine abortive Wirkung ist bekannt [11][24]. Vergiftungen werden auch bei Tieren beobachtet, die die Früchte verzehren [24]
CAVE(max): Bereits die Einnahme von 3 g ist tödlich [24]. Bei Einnahme von 90 g Koloquinten wurde von heftigem Erbrechen, epigastrischen Schmerzen und reichliche Stuhlentleerungen, sowie Sehstörungen, Delirium und Schwindel berichtet [11]. Koloquinten führen in größerer Dosis zu einer Gastroenteritis mit Koliken, blutigen Durchfällen, Magendarmgeschwüren, Wanddurchbrüchen, Peritonitis und Verwachsungen im Magendarmtrakt. Die Niere zeigt stärkste Hyperämie mit Blutaustritten, die Blasenschleimhaut starke Entzündungsreaktion. Auch treten eine Hyperämie im Gehirn, Delirien und Kollaps auf [11]. Der Tod tritt infolge eines Atemstillstandes ein [24]
CAVE(cz): Die Cucurbitacine hemmen die mitotische Zellteilung und wirken daher zytotoxisch [11][24]. Die Glykoside wirken möglicherweise krebserzeugend [15]
CAVE(al): Nach einer Exposition der Haut mit den Wirkstoffen kann es zu einer Blasenbildung kommen [24]
[Erste Hilfe]: Kohle-Pulvis-Gabe, Erbrechen auslösen, Natriumsulfat, viel warmen Tee trinken [11]
[Klinik-Therapie]: Magenspülung (evtl. mit burgunderfarbener Kaliumpermanganatlösung), Instillation von 10 g Kohle-Pulvis, Elektrolytsubstitution, Azidoseausgleich mit Natriumbikarbonat (Urin pH 7,5), Kontrolle der Nierenfunktion, bei Krämpfen Diazepam (Valium) i.v., ggf. Plasma(expander)gabe, bei Atemlähmung: Intubation und Sauerstoffbeatmung [11]
[++] Volksmed. (geringe Dosierung):
[+] Volksmed. (geringe Dosierung):
[+] Volksmed. (Samen?):
[+] Hom:
[+] Hom (D3-D6):
[+] Hom (250 mg):
[Volksmed.]:
[Hom]:
[Ethnobotanische Nutzung]:
[Religiöse Pflanze]: Die biblische Erzählung vom Tod im Topf (2 Kön 4, 38-41 LUT) handelt von einem tödlichen Koloquintengericht, dem der Prophet Elischa durch ein Wunder Genießbarkeit verleiht. So übersetzte Martin Luther unter Einbeziehung des Vulgata-Begriffs colocyntida: Der Prophetenschüler „fand wilde Rancken / und las davon Colochinten sein kleid vol / und da er kam / schneit ers ins Töpffen zum Gemüse […]“ [24]
[Symbolpflanze]: Salomo ließ gegossene Abbilder der (höchstwahrscheinlich) Koloquinte als Dekoration am Rand um das Eherne Meer (nach Darstellung der Bibel ein großes Wasserbecken aus Bronze als Teil des Salomonischen Tempels) herum anbringen (vgl. in der Bibel 1 Kön 7, 23-24 ELB) [24]
Benjamin Busse
26.04.2025