Rutaceae
Citrus
Citrus × bergamia (RISSO) RISSO & POIT.
Citrus aurantium ssp. bergamia (RISSO) WIGHT & ARN. ex ENGL., Citrus bergamia RISSO & POIT., Citrus × limon Bergamotte-Gruppe
Zitruspflanze
Bergamotte-Orange
Bergamot orange (engl.), Bergamottbaum (ger.), Bergamotte (ger.), Bergamottorange (ger.)
Nanophanaerophyt (Strauch / Kleinbaum <5 m) [24]
Immergrün (zu allen Jahreszeiten mit Blättern) [24]
Frühjahr [24]
CAVE: Der Konsum von Bergamotteöl als Bestandteil von Tee kann Muskelkrämpfe verursachen [24]. Unverdünntes Öl daher nicht innerlich anwenden [18]
CAVE(al): Bergamotte kann in Kosmetika und Parfüms Hautreizungen verursachen [24] und durch Photodermatotoxizität zu Hautausschlägen führen [24]. Das in Bergamottöl enthaltene Furocumarin Bergapten (und möglicherweise auch Ciropten, Bergamottin, Geranial und Neral) kann bei hellhäutigen Menschen eine Photosensibilisierung/Phototoxische Hautreaktionen auslösen, wie Hautpigmentierungen und Hautentzündungen [4][18][24]. Parfums und Bräunungsmittel dürfen daher max. 2 % Bergamottöl enthalten [18]. Zudem sind Medizinprodukte mit Furanocumarinfreiem Bergamotteöl entwickelt worden, um bedenkenlos äußerlich angewendet werden zu können (z.B. Retterspitz Äußerlich) [25] Die schweren Hautentzündungen, die nach Anwendung von Bergamotteöl auftreten können, stellen eine Sonderform dar, da es sich hierbei nicht um allergische, sondern um phototoxische Reaktionen handelt [11]. Diese phototoxischen Hautreaktionen können bis zur Schorfbildung mit Hinterlassung einer langdauernden braunen Hautpigmentierung führen [11]. Für diese Form der phototoxischen Hautreaktion, die sog. Photodermatitis pigmentaria bzw. Berlock-Dermatitis/berloque-Dermatitis, wird durch Furanocumarine, wie z.B. 5-Methoxypsoralen, ausgelöst [11] Alle Citrusfrüchte können eine Kontaktallergie auslösen; man unterscheidet dabei allergische Reaktionen, welche durch den Saft von denen welche durch das Ätherische Öl ausgelöst werden (zwischen beiden bestehen keine Kreuzreaktivitäten) [11]
CAVE(cz): Früher aus Bergamotteöl gewonnenes Psoralen (in Bräunungsbeschleunigern und Sonnenschutzmitteln eingesetzt) galt seit 1959 als potenziell photokarzinogen, wurde dennoch bis 1995 in Bräunungsaktivatoren verwendet und trug zu zahlreichen Melanom- und Todesfällen bei [24] (vgl. unten: Nichtmedizinische Nutzung - obsolet)
[Erste Hilfe]: Haut spülen [11]
[Klinik-Therapie]: Cortison-Salbe bei Hautreizung [11]
Bergamottöl (durch Kaltpressung aus dem Flavedo) [18]
[Kulturpflanze]: Die Bergamotte wird weniger als Obst verwendet, sondern hauptsächlich wegen der Ätherischen Öle angebaut, die in der Bergamottenschale enthalten sind. Die Ernte wird fast ausschließlich zur Gewinnung des Bergamottöls verwendet [24]
[Duftpflanze]:
[Kosmetikpflanze]: Furanocumarinfreies bzw. Bergaptenfreies Bergamotteöl in äußerlichen Medizinprodukten [4][18][25] wie auch Bräunungsmittel/Bräunungsbeschleuniger (durch Verdünnen des Bergamottöls mit einer sehr viel größeren Menge an Olivenöl) [24]; (CAVE(al): Anwendung jedoch bei hellhäutigen Menschen abzuraten aufgrund der photoxischen Hautreaktionen der Furocumarine mit Sonnenlicht) [18][24]
[Aromapflanze]:
[Lebensmittelpflanze]:
[Genussmittelpflanze]: Aus den Produktionsresten der Bergamotte-Ernte werden in der Regel in einem zweiten Verwertungsgang Säfte und Schnäpse hergestellt [24]
[Materialtechnische / bautechnische Nutzung]: Es gibt ein altes Handwerk in Kalabrien, in dem getrocknete Bergamotte-Fruchtschalenkörper als Beutel für Schnupftabak verarbeitet werden [24]
[Kulturpflanze]:
[Industrielle Nutzung]: In den 1970er Jahren vermutete man – wie sich als falsch herausstellte – dass Bergamottöl krebserregend sei, weshalb die Kosmetikindustrie auf synthetische Produkte auswich. Da gleichzeitig der Tourismus an der kalabrischen Küste boomte, wurden große Teile der Anbaufläche in Bauland umgewandelt. Weitere Probleme entstanden, als in Europa minderwertiges, mit anderen ätherischen Ölen vermischtes Bergamottöl in den Handel kam [24]
[Duftpflanze]: Bergamottöl wurde zwischen 1672 und 1708 eingeführt, mit ersten Einkäufen in Köln ab 1714. Die erste Verwendung von Bergamotteöl als Duftstoff wurde 1714 dokumentiert und befindet sich im Farina-Archiv in Köln. Der Parfümeur Johann Maria Farina (1685-1766) mischte 1709 aus den Ölen von Zitrone, Orange, Bergamotte, Mandarine, Limette, Zeder, Kräutern und Pampelmuse ein Duftwasser, das er zu Ehren seiner Heimatstadt "Eau de Cologne" nannte. Farina gilt als Erfinder des "Kölnisch Wasser", das bis heute nach dieser Rezeptur hergestellt wird. Farina entwickelte vermutlich schon vor 1706 das auf Bergamottöl basierende Duftwasser, welches er 1708 beschrieb. [24][25] (Die Farinas stammten aus Italien und wurden in Köln ansässig. Johann Baptist Farina, der ältere Bruder, hatte 1709 das Geschäft G.B. Farina gegründet, in das Johann Maria 1714 eintrat. [25]) Kölnisch Wasser wurde schnell europaweit populär, getragen von Persönlichkeiten wie Mozart, Napoleon und Voltaire. Es inspirierte Geister und war im 18.-19. Jh. in Großbritannien die dominierende Herrennote durch Prominente wie Beau Nash und Beau Brummel [24]. Im 18. Jh. war das Duftwasser aus Köln der Standardduft an allen europäischen Fürstenhöfen [25]. Kölnisch Wasser war preiswert und wurde von Wohlhabenden sowie später ebenso in den Mittelschichten häufig genutzt. Ursprünglich nur von Männern getragen, wurde es ab 1830 in Großbritannien auch für Frauen populär. Das Bergamottöl prägte das viktorianische Zeitalter. Es war leicht erhältlich, selbstgemacht und in Haushalten verbreitet. Ab 1880 wurde der Duft weniger modern, während teure Parfüms komplexer wurden und Lavendelöl im Massenmarkt beliebt blieb [24] Johann Maria Farina kaufte Bergamottöl aus Kalabrien, doch die Qualität schwankte. Er stellte fest, dass das Öl mit Kupfergefäßen reagierte. Versuche, es in Glas oder versiegelten Keramikbehältern zu lagern, brachten keine Lösung. Für eine Zeit extrahierte Farina das Öl selbst in Köln [24]
Benjamin Busse
30.07.2025